St. Martin erstrahlt langsam im alten Glanz

Marktoberdorf | af | 'Es ist ein Jahrhundertwerk, das wir machen', urteilt Kirchenpfleger Josef Hönle über die Restaurierung der Marktoberdorfer Stadtpfarrkirche St. Martin. Doch die Mühen, darin ist er mit Handwerkern und Denkmalpflegern einig, lohnen. Denn je intensiver sie sich mit dem Gotteshaus beschäftigen, um so mehr bestärkt dies ihre Auffassung: 'Es ist ein zum Teil verkanntes Bauwerk.'

Die Fassade ist vollendet, das Wahrzeichen der Stadt strahlt seinen Besuchern schon von weit her entgegen. Doch auch ins Innere der Rokokokirche kehrt der Glanz früherer Tage zurück. Allein beim Anblick der Empore ist Hönle überwältigt. Auch Blumendarstellungen, auf Rupfen gemalt und mit kleinen Nägeln an die hölzerne Balustrade geheftet, waren in dieser Schönheit früher nicht zu erkennen.

Ein Stück Geschichtsfälschung

Nicht minder staunt er über das prächtige Gewölbe, unter dem Restaurator Gerhard Diem am Werk ist. Es gebe kaum eine Aposteldarstellung, die nicht von einem Gemälde in eine Plastik übergeht. So lässt sich die Spitze des Speers, den der heilige Thomas trägt, im wahrsten Sinne begreifen. Ebenso ist er von der Darstellung selbst angetan: 'Die Künstler hatten sich sehr mit der Bibel beschäftigt.' Gleichwohl sie auch Geschichtsfälschung begingen. Um die Örtlichkeit der Schlacht des Kaisers Konstantin an der Milvischen Brücke für jedermann auf den ersten Blick erkennbar zu machen, wurde kurzerhand der Petersdom in seiner heutigen Form eingefügt - obwohl der erst rund 1200 Jahre später entstand.

Rund 1,2 Millionen Euro kostet die Sanierung des Innenraumes. Laut Hönle besteht im Moment eine Finanzierungslücke von 200 000 Euro, weshalb er sich über jede Spende freut. So steuerte unter anderem der Marktoberdorfer Lions-Club bereits 3700 Euro bei. Das Geld stammt aus einem Weihnachtskonzert und dem Verkauf von 'Martinswein' beim Martinimarkt. Für 30. September plant er ein Benefizkonzert mit Andrea Frei-Koch, Axel Flierl und dem Mitteldeutschen Kammerorchester, dessen Reinerlös ebenfalls der Renovierung zugute kommen soll. Kürzlich überwies auch der Heimatverein gut 1000 Euro, die er beim Verkauf seiner selbst gefertigten Kräuterboschen erlöst hatte.

In zwei Wochen fällt die Kirchenverwaltung weitere richtungsweisende Beschlüsse. Dann geht es um die neue Heizungsanlage. Sie soll von Ölfeuerung auf Strom umgestellt werden. Damit lasse sich, so Hönle, in kürzerer Zeit und gezielter heizen, was wiederum Geld spare. Außerdem dreht es sich um die Installation der Lautsprecheranlage und der Beleuchtung. Mit anderen Worten: Auch vor den Entscheidungsträgern liegt noch eine Menge Arbeit, bevor die Kirche voraussichtlich am 28. September nächsten Jahres wieder eingeweiht werden kann.

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