Ausgrabung
St.-Mang-Kirche Was bei den vierwöchigen Grabungen ans Licht kam

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Der Blick in den Boden unter der St. Mang-Kirche hat sich für die Kemptener Heimatforschung gelohnt. Wie berichtet, hatten sich Archäologen und freiwillige Helfer rund vier Wochen lang durch die 'Urkunde aus Stein und Erde' gegraben und dabei stadtgeschichtlich interessante Dinge zu Tage gefördert: Grabsteine, Keramikscherben, Putzreste, Münzen, zahlreiche Kleinfunde und kistenweise Gebeine. Nun herrscht acht Wochen lang Ruhe im evangelischen Gotteshaus, denn ein Restaurator klopft die Decke auf mögliche Schäden ab. 500 Jahre alte Schädel, Münzen und Scherben.

Unter den Solnhofener Platten im westlichen Eingangsbereich deckte Bauforscher Roger Mayrock eine verwitterte Grabplatte aus Sandstein auf. Der mittelalterliche Stein mit 1,70 Meter mal 75 Zentimetern Größe blieb im Boden und ist seit inzwischen unter einer dicken Betonschicht verschwunden. Geborgen wurde dagegen eine Grabplatte, auf der ein Wappen mit einem Birkhahn eingemeißelt ist. Historikerin Birgit Kata weist den Grabstein der Familie Schellang zu, die im 14. und 15. Jahrhundert in Kempten begütert war. Frick Schellang war von 1421 bis 1433 und Rudolf Schellang von 1458 bis 1461 Bürgermeister der Reichsstadt Kempten.

Freiwillige Helfer waren in ihrer Freizeit in der Kirche aktiv, darunter die Mitglieder des Fördervereins Beginenhaus. In ihren Sieben förderten sie neben bunt bemalten Putzresten von Wandgemälden auch Keramikscherben des zwölften bis 16. Jahrhunderts zu Tage. Über 330 Münzen aus acht Jahrhunderten siebten die Helfer aus dem Staub. Unter Bodenfliesen aus Ton wurden kistenweise Knochen gefunden, aber nur ein Skelett in Originallage. 'Im Zuge der mittelalterlichen Baumaßnahmen wurden die Knochen wohl mehrfach umgeschichtet', erklärt Grabungsleiter Ernst Sontheim. In der Kirche sind Grablegen hochgestellter Bürger vorhanden, wie man aus Schriftquellen wusste. Das Alter von zwei gut erhaltenen Schädeln taxiert Kata auf über 500 Jahre: 'Vermutlich stammen sie aus der Zeit vor dem Bau der gotischen Kirche 1426/28, bei dem Teile des alten Friedhofs überbaut wurden. 1535 wurde der Friedhof an die Burghalde verlegt.

Bei der archäologischen Untersuchung des Kirchenbodens entdeckten die Fachleute unter anderem drei verschiedene Mauern im Westen der Kirche.Und so gilt es nun, die Bauhistorie zwischen dem ersten Kirchenbau wohl in der Karolinger Zeit (um 800), der romanischen Kirche (zwölftes Jahrhundert) und der gotischen Kirche neu zu überdenken.

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