Boos
Spuren einer Siedlung aus dem Mittelalter entdeckt

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Beim Ausbau der B 300 zwischen Boos und Winterrieden sind Mitarbeiter einer Grabungsfirma auf archäologisch bedeutsame Gegenstände gestoßen. Nachdem der Boden entlang der Fahrbahn abgetragen war, traten etwa 500 Meter nördlich von Boos Spuren einer früheren Besiedelung zutage - darunter Reste eines Töpferofens und Keramikscherben. Auch eine Grabstelle wurde entdeckt, in der sich noch menschliche Zähne befanden. Nach Angaben des vom Landesamt für Denkmalschutz beauftragen Archäologen Michael Seiler könnte die Grabstelle aus dem 6. Jahrhundert stammen.

«An etwa 300 bis 400 Stellen haben wir Verfärbungen gefunden, die auf eine frühere Besiedlung schließen lassen», erklärte Seiler. Offensichtlich habe es im 13. Jahrhundert unmittelbar neben dem damals ebenfalls schon bestehenden Ort Boos eine weitere Siedlung gegeben. Daraufhin begann der Archäologe mit seinem Team zu graben. «Wir konnten in der Kürze der Zeit herausfinden, dass hier ein Dorf entlang der Straße stand, in dem alles vorhanden war, was eine mittelalterliche Siedlung ausmachte», so Seiler. Etwa vom 13. bis zum 15. Jahrhundert hat es nach Angaben des Archäologen an dieser Stelle einen Ort gegeben, dessen Name heute allerdings unbekannt sei.

Zu den Funden gehören neben einem Töpferofen mit zahlreichen Keramikscherben auch Eisenschlacke, Webstuhlgewichte aus Stein und ein rostiges Messerteil. Was sonst noch unter der Erde ist, «wissen wir nicht, da müssten wir noch den Untergrund der bisherigen B300 und das Gebiet jenseits der Straße untersuchen», so Seiler. Seine Grabung würde höchstens ein Fünftel des in Frage kommenden Areals umfassen.

Zeit der Völkerwanderung

Aus den Fundstücken stechen zwei heraus, die vom Fachmann - vorbehaltlich der endgültigen Untersuchung durch das Landesamt - sogar der Zeit der Völkerwanderung zugeordnet werden. «Ein Knickwandtopf und Zähne aus einer Grabstelle könnten aus dem 6. Jahrhundert stammen», so der Archäologe zu den wohl ältesten Funden. Die Backenzähne seien die einzigen Reste eines Skeletts, dessen übrige Teile nur in der umgebenden Erdverfärbung zu erahnen seien.

Der Größe nach stammen die Zähne vermutlich von einem Kind. Laut Hans-Jürgen Neumann, Bürgermeister von Boos, ist es bedauerlich, dass die Grabungsstätte in den nächsten Tagen wieder verschwindet. Die Planierraupen werden ihre Arbeit aufnehmen. Kommenden Montag werden die Bagger die Fläche einebnen.

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