Special Wintersport im AllgäuSPECIAL

Olympia
Sportredakteur Thomas Weiß in Sotschi: Interview für Philippinen-TV endet abrupt

Blockbildung. Das ist eines der wichtigsten Merkmale in den Medienbereichen der Olympischen Spiele. In allen 16 kleinen und großen Pressezentren hier ist das so – und erst recht in den Mixed-Zonen, wo Athleten und Journalisten aufeinandertreffen. In dieser Ecke die Skandinavier, dort die russischen Kollegen, hier die Ösis, da die Deutschen.

Internationale Kontaktaufnahmen entstehen meist nur dann, wenn Journalisten blank sind – was bei 15 olympischen Disziplinen ja durchaus vorkommen soll. Ach, was haben sie uns gelöchert, die internationalen Kollegen, wer denn diese Carina Vogt sei, die sich da in dieser Woche in den Olymp des Sports gehievt hatte. Wir taten natürlich so, als würden wir ihre Vita in- und auswendig kennen und erzählten was von Martin Schmitt und Sven Hannawald als ihre Idole...

Bei Cristina Roa-Puno aber hätte man nicht einmal mit den Namen unserer ehemaligen Super-Adler punkten können. Zusammen mit Kameramann Lorefel fährt die 43-jährige TV-Reporterin von den Philippinen zum ersten Mal an eine Skisprungschanze. Sie ist sichtlich nervös. Erst vor drei Stunden hat sie unten in Sotschi von ihrem Chef zu Hause den Auftrag bekommen, über diesen emanzipatorischen Quantensprung in der Olympia-Geschichte zu berichten.

Dabei hatte sie sich doch so auf ihren einzigen Athleten, den Eiskunstläufer Michael Christian Martinez, 17, konzentriert. Cristina ist nervös. Aber vermutlich ginge es mir nicht anders, müsste ich von den südostasiatischen Meisterschaften im Kokosnuss-Weitwurf berichten. Einen 20-minütigen Crash-Kurs will sie von mir, nachdem sie gefragt hatte, woher ich komme, und sie messerscharf den Schluss zog, dass es in Germany doch auch so eine Schanze gebe – 'oder'?

Unmissverständlich zeigt sie mir, dass sie für dieses Interesse an mir und meinem bescheidenen Skisprung-Wissen schon gerne eine Gegenleistung hätte. 'Ich brauche eine Statement für TV 5.' Huch, denke ich noch. Doch sie macht forsch weiter, befiehlt Lorefel, dem Kameramann, doch schon mal das grelle Licht auf mich zu richten. Und schon hatte ich das Mikrofon unter der Nase:

'Ist das hier heute wirklich ein Schritt gegen die Diskriminierung der Frauen im Sport?' Ich schlucke. Welch hochpolitische Frage. Der Schalensitz im Shuttle-Bus ist plötzlich ein Schleudersitz für mich. Ein falsches Wort und ich bekomme nie wieder eine Olympia-Akkreditierung. Thomas Bach persönlich wird mich abmahnen, schießt es mir durch den Kopf. 'Nein, das glaube ich nicht', mime ich den Experten, und erzähle von einer normalen Entwicklung.

Beim Biathlon war es ja nicht anders. Wurde auch erst über 30 Jahre nach den Männern für die Frauen olympisch. Cristina runzelt die Stirn. 'Biathlon?', fragt sie, zieht mir das Mikro weg – und Lorefel schaltet das Licht wieder aus. Hätte ich doch besser was über Kokosnüsse erzählt...

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