Meisterkonzert
Spitzengeigerin Midori und der exquisite Pianist Özgür Aydin verzaubern im ausverkauften Kemptener Stadttheater

Ein erlesenes und musikalisch überragendes Kammerkonzert war im ausverkauften Theater in Kempten im Rahmen der Reihe 'Meisterkonzerte' zu erleben. Zu hören waren Werke für Violine und Klavier mit der in Japan geborenen Spitzengeigerin Midori und dem hervorragenden Pianisten Özgür Aydin.

Am Beginn stand die Sonate KV 526 von Mozart, die besonders im dritten Satz noch stark dem Klavier verpflichtet ist. Das Presto wurde denn auch von Aydin vorwärts stürmend eingeleitet. Es folgten Passagen mit brillant und äußerst exakt ausgeführten Läufen bei (werkgerecht) sparsamem Einsatz des Pedals. Die beiden ersten Sätze 'gehörten' jedoch der Violinistin. Ungewöhnlich zart, fast verträumt, gestaltete sie den Violinpart.

Manche Pianostellen gingen nahezu ins pianissimo über oder wirkten fast 'gehaucht'. Das Ergebnis war eine ungewöhnliche Mozart-Interpretation, die von den üblichen Pfaden deutlich abwich.

Das Publikum bekam einen ersten Eindruck vom sensiblen Spiel der Geigerin und vom Klang des wertvollen Instrumentes von Giuseppe Guarneri del Gesu aus dem Jahr 1734.

Die Violinsonate Opus 78 von Johannes Brahms gab beiden Künstlern Gelegenheit, sich bestens zu präsentieren. Gleich zu Beginn des ersten Satzes war Midori nun mit mehr Verve als bei Mozart zu erleben. Wieder spielte sie enorm konzentriert, besonders bei der Ausgestaltung langer Spannungsbögen und der Dynamik. Aydin trug dabei das Seine zum Gelingen bei.

Die kurze Klaviereinleitung zu Beginn des zweiten Satzes gelang ihm ausgezeichnet und fand ihre stimmige Fortsetzung im ausdrucksstarken Spiel von Midori. Hier trugen zwei Solisten in harmonischem Zusammenwirken zum Gelingen des Ganzen bei. Das war nicht 'Brahms von der Stange', sondern eine Interpretation, die aufhorchen ließ.

Rein und leicht in Extremlagen

Der Höhepunkt des Konzerts war die Sonate für Violine und Klavier von Leos Janácek. Bewegt (con moto), geradezu impulsiv, begann Midori und pflegte in allen Sätzen eine enorme Dynamik, die gelegentlich Töne geradezu 'verlöschen' ließ aber auch schroffe motivische Einwürfe hervorbrachte. Ihr Spiel war stets von enormer Reinheit und Leichtigkeit, selbst in Extremlagen.

Tosender Applaus

Zum Abschluss erklang Franz Schuberts Fantasie für Violine und Klavier – ein kleines Violinkonzert. Die Harmonie zwischen den Interpreten kam auch hier wieder voll zur Geltung, insbesondere im Schlusssatz (Allegro vivace). Das war wie Musik aus einer anderen Welt.

Das Publikum dieses Meisterkonzertes erlebte in Midori eine veritable (Groß-)Meisterin und bedankte sich mit tosendem Applaus. Dieser wurde wiederum mit zwei Zugaben belohnt.

P. S.: Midori hat versprochen wiederzukommen.

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