Gericht
Spielsüchtig: 19-Jähriger muss wegen Überfalls hinter Gitter

Tränenreiche Minuten erlebten die Beteiligten an einem Prozess gegen einen 19-jährigen Kemptener. Er wurde verurteilt, weil er von einer Mitarbeiterin in einer Spielhalle in Kempten 1680 Euro erbeutete und sie dabei mit einem Messer bedrohte und verletzte.

Als der junge Mann eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten erhielt, weinten er sowie seine Lebensgefährtin und seine Mutter im Zuhörerraum. Sein emotionales Verhalten vor Gericht wertete Richter Friedrich Probst unter anderem als Zeichen dafür, dass der kleine und schmale Angeklagte nach dem milderen Jugendstrafrecht und nicht nach Erwachsenenstrafrecht beurteilt werden sollte.

<< Entschuldigung, es tut mir leid >> lautete das Schlusswort des Täters, der weder eine Ausbildung noch einen Arbeitsplatz hat und deshalb laut Gerichtsurteil auch die Kosten des Verfahrens nicht tragen muss.

Das Video, das eine Kamera an der Spielhalle bei dem Überfall im Februar dieses Jahres kurz vor sechs Uhr morgens aufgezeichnet hatte, zeigte das Geschehen: Maskiert und mit einem Messer griff der Täter zwei Angestellte an und fuchtelte mit der Waffe vor dem Gesicht einer Beschäftigten, die dabei am Hals und im Gesicht verletzt wurde. Laut Staatsanwalt forderte der Angreifer dann auf Englisch << Money, money >> (Geld).

Der Angestellte händigte ihm 1000 Euro aus einem Geldwechselautomaten und 680 Euro aus der Thekenkasse aus. Angeklagt wurde der 19-Jährige nun wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung.

Seine Tat führte er auf seine Spielsucht zurück, an der er seit einigen Jahren leide. Bei Aufenthalten bei seiner Großmutter in Italien, bei seinem Vater in Hagen und seiner Mutter in Kempten habe er beim Spielen Geld verloren. In der Untersuchungshaft habe er bereits eine Therapie gegen die Sucht begonnen. Die Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen wurden von der psychosozialen Beratungsstelle bestätigt.

Dies und das Geständnis, << das uns eine langwierige Beweisaufnahme erspart hat, hat Ihnen mindestens ein Jahr Haft erspart >>, erklärte der Richter das angesichts der << gezeigten Brutalität >> mit quälenden Folgen für das Opfer milde Urteil. Wäre das Erwachsenenstrafrecht angewendet worden, hätte der Angeklagte mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen müssen, meinte der Staatsanwalt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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