Bewährung
Spielsucht: Familienvater bestiehlt seinen Arbeitgeber, um an Geld zu kommen

'Das ist alles korrekt.' Mit diesen Worten bestätigte ein 31-jähriger Kaufbeurer in einem Schöffengerichtsverfahren wegen besonders schweren Diebstahls die Anklagevorwürfe. Der junge Familienvater war in den vergangenen Jahren in die Spielsucht abgeglitten und hatte für den Einsatz an Spielautomaten immer mehr Geld benötigt. Zur vermeintlichen Lösung seiner Finanzprobleme begann er im Herbst 2009 damit, bei seinem damaligen Arbeitgeber technische Geräte mitgehen zu lassen und diese im Internet zu verkaufen. Bis das Ganze im Sommer 2010 aufflog, hatte er in 14 Fällen Geräte im Gesamtwert von rund 90 000 Euro gestohlen. Dabei erzielte er nur etwa ein Zehntel dieser Summe. Der bis dato unbescholtene junge Mann wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die er akzeptierte.

Wie sein Verteidiger zu Verhandlungsbeginn ausgeführte, hat sich der junge Mann zwischenzeitlich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs auf die Zahlung von 22 000 Euro geeinigt. Die Ansprüche seien dadurch abgegolten. Das Geld habe sein Mandant mithilfe von Verwandten und durch einen Bankkredit zusammengebracht.

Angesichts der erfolgten Wiedergutmachung und der finanziell äußerst angespannten Situation der jungen Familie war der Anwalt der Ansicht, dass auf eine Geldbuße als Bewährungsauflage verzichtet werden könne. Der Staatsanwalt hatte eine solche in Höhe von 1 200 Euro beantragt. Das Gericht folgte im Urteil der Argumentation der Verteidigung.

Dem jungen Mann wurde aber die Fortsetzung einer bereits begonnenen Therapie gegen seine Spielsucht zur Auflage gemacht. Aus den Schilderungen des 31-Jährigen ging hervor, dass er sich unmittelbar nach der Hausdurchsuchung im vergangenen Jahr in Behandlung begeben hatte.

Eine entscheidende Rolle hatte dabei offenbar die Reaktion seiner Ehefrau gespielt, die bis zu diesem Zeitpunkt wohl völlig ahnungslos war. 'Sie hat mich fast sitzen lassen', erinnerte sich der Angeklagte, der seinen erhöhten Geldbedarf offenbar geschickt verborgen hatte. Inzwischen sei die Familie wieder intakt, er spiele nicht mehr und gehe regelmäßig zur Therapie.

Dass bei dem jungen Mann tatsächlich eine Spielsucht vorliegt, die auch 'Triebfeder' seiner Straftaten ist, ging aus dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen hervor. Eine eingeschränkte oder gar aufgehobene Steuerungsfähigkeit schloss der Gutachter aber aus: Der Angeklagte habe keine Kontrollverluste gehabt und sei insbesondere stets in der Lage gewesen, seiner Arbeit nachzugehen. Diese wurde ihm nach Bekanntwerden der Taten gekündigt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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