Kempten / Allgäu
Spezieller Stromzähler soll Energie sparen helfen

Wenn mittags die Sonne auf die Solarkollektoren brennt und die Fotovoltaikanlage viel Strom erzeugt, schaltet sich von selbst die Waschmaschine ein. Das ist eine Vision des Projekts Alp Energy (siehe Infokasten). Erfüllt werden soll sie mit Hilfe des Smart Meters, eines intelligenten Stromzählers. Dieses Gerät testet das Allgäuer Überlandwerk (AÜW), einer der Projektpartner, ab November.

Sparpotenziale erkennen

Der Smart Meter erfasst den Energiekonsum in Haushalten und Betrieben. Dadurch kann dieser «sowohl zum Zeitpunkt des Verbrauchs als auch später über längere Zeit verfolgt werden», erklärt Martin Guschler, beim AÜW für die Zählertechnik verantwortlich. So ließen sich Stromsparpotenziale erkennen. Der Smart Meter soll zudem Daten zwischen Energieverbraucher (zum Beispiel Waschmaschine) und Energielieferant übermitteln und so unter anderem irgendwann helfen, Geräte rechtzeitig automatisch ein- oder ausschalten.

Damit wäre eine Vision von Alp Energy erfüllt - das Ziel jedoch nicht. Denn das Projekt soll Energieerzeugung und -verbrauch wirtschaftlich und klimaschonend in Einklang bringen. Unter anderem sollen laut Guschler Lösungen gefunden werden, durch die mehr Strom - vorzugsweise aus erneuerbaren Energien - außerhalb der Spitzenlastzeiten verbraucht wird.

Dabei soll ein virtuelles Stromnetz helfen. Dieses vergleicht Ernst-Peter Meyer, Professor für elektrische Energietechnik an der Hochschule Kempten, mit einer Waage. «Auf der einen Seite sind die Verbraucher, die zu einer bestimmten Zeit eine gewisse Menge Energie benötigen», erklärt er. Auf der anderen Seite sieht er die Erzeuger. Und dazu zählen heute nicht mehr nur große Kraftwerke, sondern viele dezentrale, teils kleine, wie Fotovoltaik- und Windkraftanlagen.

«Diese liefern zur gleichen Zeit nur eine gewisse Energiemenge», sagt Meyer. «Ein virtuelles Stromnetz hat beide Seiten im Blick und versucht, die Waage zu jedem Zeitpunkt im Gleichgewicht zu halten.» Neben dem Strom fließen dabei Daten, die Erzeuger- und Verbraucherverhalten aufeinander abstimmen. Einen Teil dieser Daten übermittelt der Smart Meter.

In der Praxis soll dann laut AÜW-Mitarbeiter Guschler zum Beispiel über günstigere Tarife zu bestimmten Tageszeiten das Verbraucherverhalten beeinflusst werden - etwa dahin gehend, die Waschmaschine mittags einzuschalten, wenn die Fotovoltaikanlagen viel Strom produzieren. Auf einem geplanten Internetportal soll der Kunde sich außerdem selbst über seinen Energieverbrauch informieren können.

Preise stehen noch nicht fest

Die Bundesregierung, so AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke, will Deutschland bis ins Jahr 2020 zu 80 Prozent mit intelligenten Stromzählern abgedeckt sehen. Das sei zwar nicht ganz realisierbar. Allein im Gebiet des AÜW müssten schließlich rund 140000 Zähler ausgetauscht werden. Und noch ist selbst dem Allgäuer Stromversorger nicht ganz klar, welches Gerät von welchem Hersteller am besten für die Region geeignet ist, sagt Michael Fideldey, Geschäftsführer der Allgäu Netz GmbH. Deshalb könne er auch zu den Preisen des intelligenten Zählers noch nichts sagen.

250 Musterkunden testen Zähler

All das jedoch sollen ab November bis in den Juli 2011 200 Allgäuer Haushalte und 50 Betriebe kostenlos testen. Das AÜW ermittelte dafür einen repräsentativen Querschnitt. Die ausgewählten Musterkunden werden in den nächsten Tagen angeschrieben. Alle anderen Endkunden können ihren alten Stromzähler ab Januar 2010 durch einen intelligenten ersetzen lassen.

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