Marktoberdorf
Spätabends noch büffeln

Bis 17 Uhr Nachmittagsschule, bis 20 Uhr Musikkapelle oder Sportverein: Erst danach ist Zeit für die Hausaufgaben: So sieht - zum Teil an vier oder fünf Nachmittagen pro Woche - der Alltag eines Oberstufenschülers am achtjährigen Gymnasium aus. Der erste Jahrgang des G8 besucht seit September die neue Oberstufe. In Marktoberdorf beklagen Schüler, Eltern und Lehrer die im Vergleich zum neunjährigen Gymnasium höhere Belastung.

«Wir haben wesentlich mehr Unterricht», klagt der Elftklässler Jan Glöckner aus Lengenwang. Der Schüler ist in der Jugendleitung von zwei Vereinen aktiv: «Wenn ich die Hausaufgaben erst nach dem Verein machen kann, sitze ich bis 23 Uhr am Schreibtisch», erzählt Glöckner: «Wenn man seinen Verein oder ein Hobby nicht aufgibt, bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes.»

Elternbeiratsmitglied Norbert Golda findet es «heftig», dass viele Schüler oft erst um 17 Uhr aus der Schule kommen («den langen Heimweg der Fahrschüler nicht mitgerechnet») und sich deren Hausaufgaben dadurch auf Abende und Wochenenden konzentrierten. «Und die Vereine, das soziale, musische oder sportliche Engagement der Schüler, dürfen nicht auf der Strecke bleiben», findet Golda.

Da geeignete leere Räume fehlen, sind Freistunden an einem langen Schultag nur bedingt für Vor- und -nachbereitung geeignet, sind sich Golda und stellvertretende Schulleiterin Susanne Jehl einig. Neben den Gängen stellt die Schule den Schülern nun zwar auch die Aula zur Verfügung, wenn sie frei ist. Sonstige Aufenthaltsräume seien aber nicht genug vorhanden: «Es kostet Millionen, die Schule auf Ganztagsbetrieb umzustellen», so Jehl. Auch ihrer Ansicht nach ist die Belastung höher als beim G9: «Die Schüler haben mehr Stunden als früher.»

Das liegt auch an zusätzlichen Pflichtfächern wie dem Wissenschafts- und dem Projektseminar, das jeder Oberstufler belegen muss sowie an den «Profilfächern». Diese Wahlfächer seien unabdingbar, um Interessen zu fördern und eine Schmalspurausbildung zu vermeiden, sagen Elternvertreter und Schulleitung.

Aber ein Elftklässler hat schon 33 Wochenstunden. Nimmt er nur zwei Profilfächer hinzu, ist er bei 36 und mehr Stunden.

Übervolle Lehrpläne

Neben die zeitliche tritt die höhere inhaltliche Belastung, bedingt durch übervolle Lehrpläne. «Im G8 haben wir ein Jahr weniger Zeit. Die Lehrer wissen oft nicht, wie sie den Stoff durchbringen sollen», sagt Schüler Jan Glöckner. Unsicherheit entsteht laut Jehl auch dadurch, dass noch «keiner genau weiß, wie das neue Abi aussieht», obwohl Elftklässler wie Glöckner schon in gut einem Jahr die Prüfung ablegen. Fest steht aber, es gibt nach wie vor Zentralabitur, in dem «alles» drankommen kann. Weshalb sich gerade in der Oberstufe viele Lehrer kaum trauten, Inhalte zu «entrümpeln», wie Elternvertreter, Schulleitung und Schüler gleichermaßen berichten.

Um sich auszutauschen, fand im Dezember ein Treffen statt, an dem neben Schülern und Eltern Oberstufenbetreuer Franz Pfaffenzeller und Susanne Jehl teilnahmen. Die Eltern wollen dranbleiben und ihre Kritik bündeln: «Übernächste Woche ist das nächste Treffen», sagt Edeltraud Gregor, deren Tochter die elfte Klasse besucht. Der Elternbeirat überlegt, sich direkt ans Ministerium zu wenden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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