Lindenberg
Soziales Gewissen der SPD

Wenn es um sozialpolitische Themen geht, ist seine Meinung immer noch gefragt. Rudolf Dreßler, SPD-Urgestein und wortgewaltiger Kritiker neoliberaler Strömungen in seiner Partei, war vergangenen Sonntag bei Anne Will im ZDF zu Gast. Thema: Schüler- und Studentenproteste in Deutschland. Am kommenden Montag wird Dreßler in der Aula der Lindenberger Grundschule den Sozialistenhut des SPD-Kreisverbandes erhalten.

Wer den Sozialistenhut bekommen will, muss vor allem zwei Dinge besitzen: Rückgrat und die Fähigkeit in «Gesellschaft und Partei» gegen den Strom zu schwimmen. Auf Rudolf Dreßler trifft das geradezu idealtypisch zu.Viele in der SPD hätten den gelernten Schriftsetzer gerne als Gesundheitsminister in der rot-grünen Bundesregierung gesehen. Nur: Kanzler Schröder wollte Dreßler, den Freund von Oskar Lafontaine, nicht. Die inhaltlichen Differenzen waren zu groß. Oft genug haderte Dreßler mit seiner Partei: Rente mit 67, Hartz IV, umfangreiche Steuersenkungen für Unternehmen - alles Dinge, die für Dreßler so nicht in Frage kamen. «Die SPD hat ihre Identität vernachlässigt, verleugnet und mit Füßen getreten», urteilte Dreßler vergangenes Jahr in einem Interview.

Profiliert hat sich der heute 69-Jährige auch auf einem anderen Gebiet. Von 2000 bis 2005 war Dreßler Botschafter in Israel. Er gilt als exzellenter Kenner der Region. Für Unruhe in der SPD sorgte seine Nahostreise mit Gregor Gysi, den damaligen Fraktionsvorsitzenden der Linken, im Sommer 2008. Immer wieder mal wurden Dreßler Abwanderungsgedanken zu den Linken nachgesagt. Er ist bei der SPD geblieben.

Den Ruck seiner Partei nach der Bundestagswahl wird er begrüßen. Da weiß er sich mit Ottmar Schreiner einig. Der Bundestagsabgeordnete, Sozialistenhutträger des vergangenen Jahres, hält am Montag die Laudatio auf Dreßler. Ihm ist wie dem neuen Sozialistenhutträger die Sozialpolitik wichtig. Vielen gilt er als «soziales Gewissen» der SPD.

Schreiner, seit 40 Jahren SPD-Mitglied und seit 29 Jahren Bundestagsabgeordneter, war sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion, Bundesgeschäftsführer seiner Partei, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen und Mitglied im Parteivorstand. «Hartz IV ist zum Symbol für den Niedergang der modernen Sozialdemokratie geworden», schreibt er in seinem Buch «Die Gerchtigkeitslücke». Ein Satz, der von Rudolf Dreßler stammen könnte.

Verleihung des Sozialistenhutes am Montag, 7. Dezember, 20 Uhr in der Aula der Lindenberger Grundschule.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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