Neujahrsempfang
«Sozialabbau geht weiter»

Gerade in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs gelte es, «wieder die Menschlichkeit, den persönlichen Respekt und das Miteinander in den Mittelpunkt zu stellen - und zwar von der Chefetage bis zur Reinigungskraft». Dies sei in den letzten Jahren immer mehr abhanden gekommen. Stattdessen zähle nur noch die Profitmaximierung, erklärte der Vorarlberger Landesvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Norbert Loacker, beim gemeinsamen Neujahrsempfang von ÖGB und DGB in Bregenz. 120 Gewerkschaftsmitglieder, Funktionäre und Gäste waren zu der Veranstaltung gekommen, die im jährlichen Wechsel mit Lindau abgehalten wird.

«Jünger, billiger, schlanker» - so hätten die Rezepte vieler Manager gerade in der Krise gelautet, zitierte Loacker einen Consulting-Experten, der im «Wirtschaftsblatt» (Wien) die Meinung vertrat, dass dieses Muster in Zukunft wohl kaum mehr ausreichen würde. Nach dessen Worten würde der Wettbewerb zwischen den Unternehmen künftig - besonders vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung - in weitaus stärkerem Maße als bisher über die «Kultur des Miteinanders» ausgetragen. «Freude an der Arbeit und ein nettes, zumindest aber ein erträgliches Betriebsklima» sei den Beschäftigten bei der Wahl des Arbeitgebers besonders wichtig, beweise eine jüngst veröffentlichte Studie, sagte der Vorarlberger ÖGB-Chef.

Wirtschaft und Arbeitsmarkt hätten sich im abgelaufenen Jahr «schneller von der Krise erholt» als viele es erwartet hätten, erklärte Werner Gloning, Vorsitzender der DGB-Region Allgäu-Donau-Iller. Dieser Erfolg sei zum einen den staatlichen Konjunkturprogrammen zu verdanken, aber auch dem «massiven Einsatz von Kurzarbeit» - einem, wie Gloning ergänzt, «lange bekämpften gewerkschaftlichen Instrument». Dennoch ist seiner Ansicht nach trotz Aufschwung «vieles, ja sehr vieles, leider nach wie vor nicht gut» und «vieles wird für viele schlechter». So gleiche die Gesundheitspolitik der Regierung einem «sozialpolitischen Amoklauf, den es zu stoppen gilt», wetterte der DGB-Regionsvorsitzende. Die bislang solidarisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanzierte gesetzliche Krankenversicherung werde auf den «Müllhaufen der Sozialgeschichte» geworfen.

Künftig müssten die Versicherten die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen allein finanzieren - und das auch noch unabhängig von ihrem Einkommen in gleicher Höhe, kritisierte Gloning.

Kritisch hinterfragt hat der Gewerkschafter auch die Arbeitsmarktzahlen. Die Arbeitslosenstatistik sei «inzwischen so ausgestaltet, dass sie das wirkliche Ausmaß der Arbeitslosigkeit eher verschleiert als verdeutlicht». So seien in der eigenen DGB-Region mittlerweile «gut ein Drittel bis fast zur Hälfte der neuen Arbeitsplätze Leiharbeitsplätze.

Diese seien nicht «Brücke in den ersten Arbeitsmarkt», so Gloning, vielmehr würden sich diese «wie eine Krake in diesen Arbeitsmarkt hineinfressen und dort seriöse Arbeitsplätze vernichten». Auch würden Dauerarbeitsplätze in immer größerem Maße von befristeten Arbeitsverhältnissen abgelöst. Folge sei unter anderem, dass immer öfter «das Einkommen auch bei einem Vollzeitarbeitsplatz zum Auskommen nicht ausreicht».

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