Pforzen
Sorge um Trinkwasser und sauberes Ackerland

Seit Januar 2007 wird in einer ehemaligen Kiesgrube bei Pforzen Müll sortiert. Lange war es ruhig um das Bayerische Wertstoff Zentrum (BWZ). Die Gemeinde hatte es dort einst bewusst angesiedelt und dafür eigens ein Industriegebiet ausgewiesen. Sie hoffte auf Arbeitsplätze und Gewerbesteuer. Fast 20 Stellen wurden inzwischen auch geschaffen, mit der Steuer hapert es freilich noch - was allerdings nicht ungewöhnlich ist für so ein junges Unternehmen. Um sich wirtschaftlich ein weiteres Standbein zu schaffen, hat es im Frühjahr beantragt, künftig nicht nur Gewerbe- sondern auch Hausmüll in seiner Anlage sortieren zu dürfen. Seitdem wird über das BWZ in den Gemeinden Pforzen, Rieden und Germaringen viel diskutiert.

Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. Es wartet derzeit noch auf ein Abluftkonzept des BWZ, das laut Geschäftsführer Thomas Engler noch diesen Monat vorgelegt werden soll. Es muss laut Baujuristin Gudrun Hummel dann vom Landesamt für Umwelt begutachtet werden. Dieses halte das Ansinnen des BWZ, Hausmüll zu sortieren, für genehmigungsfähig, habe allerdings bestimmte Auflagen dafür in einem Gutachten festgelegt. Wenn diese erfüllt würden, steht laut Hummel einer Genehmigung nichts im Weg. Die Anlage befinde sich schließlich in einem Industriegebiet.

Auf Wunsch der Gemeinden hat das Landratsamt im Vorfeld aber alle Beteiligten zu einem Gespräch eingeladen. Es soll am 29. September in der Behörde in Marktoberdorf stattfinden. Dabei wird es um mehrere offene Fragen gehen.

Dazu gehören folgende Aspekte:

Trinkwasserversorgung Rieden: Bürgermeister Ludwig Landwehr hat Sorge, dass irgendwann schädliche Stoffe im BWZ versickern könnten, die durch die Grundwasserströme in den Brunnen der Gemeinde bei Beckstetten ankommen. Hummel zerstreut diese Bedenken: Das Wasserwirtschaftsamt als Fachbehörde habe dem Bau des BWZ in Kenntnis der Grundwasserströme zugestimmt. Eine Gefährdung sei nicht gegeben.

Schadstoffe auf Ackerflächen: Die Gemeinden Germaringen und Pforzen fürchten, dass Abfall, Schadstoffe oder Keime vom BWZ aus auf den umliegenden Feldern ihrer Landwirte landen könnten. Bürgermeister Kaspar Rager plädiert deshalb für eine komplette Einhausung der Müllsortierung, falls dort auch die Verarbeitung von Hausmüll zugelassen werde. Denn darin befänden sich noch mehr Keime und Schadstoffe als im Gewerbemüll.

Geschäftsführer Thomas Engler lehnt dies ab. Es sei zum einen zu teuer und greife zum anderen in betriebliche Abläufe ein. Hummel verweist auf das noch ausstehende Abluftkonzept, welches das Landesamt für Umwelt erst überprüfen müsse. Aus derzeitiger Sicht gebe es in diesem Bereich Optimierungsbedarf. So müsse zum Beispiel die Benebelungsanlage, die den Müll mit Wasser besprenkelt, damit er weniger staubt, verbessert werden. Hummel erläutert, das BWZ müsse alle drei Jahre durch einen unabhängigen Sachverständigen nachweisen, dass es die in der Genehmigung festgelegten Emissionsbegrenzungen einhält.

Abwasserentsorgung: Die gesamte Fläche des BWZ ist betoniert oder asphaltiert. Zum Abtransport bereite gepresste Ersatzbrennstoffpakete lagern im Hof. Es gibt Befürchtungen, dass bei Regen daraus Schadstoffe ausgespült werden. Laut Engler läuft das Wasser der Anlage durch einen Ölabscheider und wird in einem Becken gesammelt. Von dort aus wird es nach und nach in den Kanal der Gemeinde Pforzen geleitet, bis es in der Kläranlage Wertach-Ost ankommt. Diese wird laut Hummel regelmäßig vom Wasserwirtschaftsamt überwacht und arbeite einwandfrei. Sie sei für das Abwasser des BWZ geeignet. Das gereinigte Abwasser fließt in die Wertach.

Die Müllmengen: Das BWZ darf derzeit bis zu 150000 Tonnen Gewerbemüll pro Jahr bearbeiten, nun hat es beantragt, dass 25000 Tonnen davon auch Hausmüll sein dürfen. Ob das BWZ dafür überhaupt Kunden findet, ist noch offen. Der Landkreis Ostallgäu oder die Stadt Kaufbeuren werden es nicht sein. Beide lassen ihren Restmüll unsortiert verbrennen, da die Wertstoffe schon vorher von den Bürgern heraussortiert werden.

Der Verkehr: Pforzens Bürgermeister Hermann Heiß sorgt sich um die Verkehrsbelastung in seiner Gemeinde. Doch das BWZ erreicht laut Engler bisher bei Weitem nicht die genehmigten 110 An- und Abfahrten mit Lastwagen pro Tag. Im Juli und August 2009 gab es pro Tag im Schnitt gute 30 Lkw-Zu- und Abfahrten, wovon wiederum nicht mal die Hälfte durch Pforzen kam.

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