Allgäu
«Solidarität statt Abschottung»

Markt Rettenbach «Der demografische Wandel ist Fakt, nicht umkehrbar, aber keine Katastrophe»: So lautete das Fazit der Bundestagsabgeordneten Angelika Graf bei der Fachtagung der SPD-Bundestagsfraktion «Leben im Alter» in Markt Rettenbach. Jung und Alt müssten diese Herausforderung gemeinsam meistern, betonte Graf. Dr. Konrad Hummel, Wissenschaftsreferent des Berliner Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung, rief zu einem Umdenken hinsichtlich der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme auf.

«Auf eine Achtjährige kommen in Deutschland vier 80-jährige Frauen.» Mit eindrücklichen Bildern verdeutlichte Hummel, was demografischer Wandel bedeutet. «Die SPD hätte früher erkennen müssen, dass der alte Sozialstaat für solche Herausforderungen nicht taugt.» Die Lösung bestehe aber nicht darin, ihn abzuschaffen: «Wir lösen die Kernfragen immer über den Arbeitsmarkt - aber das duale Arbeitnehmer-Arbeitgeber-System trägt nicht mehr für alle Herausforderungen des Sozialstaats. Wir müssen klügere Formen finden, wie wir alle beteiligen.»

Graf sagte voraus, dass die Zahl der von Altersarmut Betroffenen steigen werde. Grund dafür sei etwa eine dauerhafte Beschäftigung im Niedriglohnbereich. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen möglichst geschlossene Erwerbsbiografien ohne größere Auszeiten haben, um sich ihre Rente zu erarbeiten.

» Zudem forderte Graf gerechte Löhne - dies sei besonders in Pflegeberufen wichtig, denn die schlechte Bezahlung halte viele ab, hier tätig zu werden. Laut Hummel sollten daher zum Beispiel zugewanderte Jugendliche besser als bisher in dieser Berufssparte aufgenommen werden. Wichtig sei zudem die Reaktivierung von Nachbarschaftshilfen, die sich um soziale Belange Hilfsbedürftiger kümmern könnten, während der medizinische Teil über ambulante Pflege abgedeckt werde.

Auch aus dem Publikum kamen Beiträge: So bemängelte die Memminger Stadträtin und Behindertenbeiratsvorsitzende Verena Gotzes, dass barrierefreies Bauen längst nicht die Selbstverständlichkeit besitze, die es aufgrund der demografischen Entwicklung haben müsste. Dies thematisierte auch Graf. Sie sprach sich überdies dafür aus, die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben gezielt zu fördern.

Zudem sei es wichtig, dass Leistungsfähigkeit und Kompetenz des Alters besser publik gemacht würden und dieser Begriff nicht nur für Krankheit und Passivität stehe. Dem schlossen sich Landtagsabgeordneter Dr. Paul Wengert und Hummel an. Es dürfe nicht zu einer Abschottung der Generationen kommen - vielmehr sei gegenseitige Solidarität wichtiger denn je, so Hummel.

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