So weit weg ist es gar nicht

Buchloe | sei | Kurz vor Ende der Einspruchsfrist fand auch im Buchloer Gasthaus 'Eichel' eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Gennach zum geplantenHeizkraftwerk der Firma Lang Papier statt. Schon bei der Begrüßung

brachte der Initiator der Veranstaltung, UBI-Vorsitzender Dr. Joachim Herzog, auf den Punkt, was auch vielen Buchloern Bauchschmerzen bereitet: 'So weit weg ist es gar nicht'.

Sehr sachlich informierten Erhard und Jürgen Weber sowie Hans Wohlfeil von der Bürgerinitiative über das Projekt: Geplant seien ein 86 Megawatt-Gaskessel und ein 80 Megawatt-Reststoff-Kessel. Dass die Papierfabrik im Reststoffkessel werksinterne Abfälle aus dem Produktionsprozess verbrennen will, dafür zeigten viele der zahlreichen Zuhörer noch Verständnis. Zu heftigen Diskussionen führte aber die Absicht, auch kommunalen Klärschlamm und 'Ersatzbrennstoffe' wie Kunststoffabfälle oder aufbereiteten Haus- und Gewerbemüll aus einem Bezugsradius von 450 Kilometern zu verbrennen.

Mit einer maximalen Jahresmenge von 474 000 Tonnen im Reststoffkessel werde das Heizkraftwerk zur 'zweitgrößten Müllverbrennungsanlage in ganz Bayern', wie Erhard Weber ausführte. Der Begriff Heizkraftwerk sei demzufolge irreführend. Des Weiteren gebe es schon heute Überkapazitäten bei der Entsorgung von Restmüll. Dies gelte auch für Klärschlamm. Zu kritisieren sei auch die 'ungenügende Rauchgasreinigung', die längst nicht dem Standard einer Müllverbrennungsanlage entspreche. So sei beispielsweise der erwartete und erlaubte Ausstoß von Quecksilber der Anlage enorm. Dieses Schwermetall lagere sich im Laufe der Jahre im Boden ab und könne von der Natur nicht abgebaut werden.

Vielfältige Bedenken

Bei den Wortmeldungen wurden denn auch vielfältige Bedenken laut. 'Vielleicht brauchen wir gar nicht so viel Papier', sagte ein Teilnehmer als Denkanstoß. Auch die Bahnanbindung von Lang Papier müsse im Zusammenhang mit der Müllverbrennung forciert werden. Beim Klärschlamm gingen die Meinungen auseinander. Während die einen bessere Verwertungsmöglichkeiten beispielsweise zur Phosphat-Rückgewinnung sehen, darf man nach Ansicht von CSU-Stadtrat Herbert Barthelmes bei diesem Abfallprodukt 'nicht so kritisch sein'. Auch die Stadt Buchloe habe sich für die thermische Verwertung ihres Klärschlamms entschieden.

Für UBI-Stadtrat Rudolf Grieb ist die Papierfabrik kein 'Wohltäter der Menschheit'. Nach rein wirtschaftlicher Überlegung dürfte sich die Reststoff-Verbrennung lohnen und 'schon einige Millionen' jährlich in die Konzernkasse spülen. Nach Auskunft der Initiative bezahlen die Kommunen etwa 52 Euro je Tonne entsorgten Klärschlamm. Auch hinsichtlich der Rauchgasreinigung kamen aus dem Publikum zahlreiche Bedenken, die zum Teil recht emotional vorgetragen wurden. Am sinnvollsten sei es, Stoffe wieder zu verwerten, anstatt sie zu verbrennen. Die Diskussion ließ auch klar erkennen, dass Verhandlungen mit dem Betreiber wohl am zielführendsten sind. Beispielsweise in Form von Selbstverpflichtungen solle versucht werden, den Anteil an Reststoffen weiter herunterzufahren. Oder wie es Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger formulierte: 'Das Ziel muss ein Miteinander sein'.

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