So shia isch z’ Schwoga aufm Gunglhos

Von philomena Willer | Schwangau Die Anfänge der Faschingshochburg Schwangau waren bescheiden. Wie in allen Dörfern veranstaltete jeder Verein seinen Faschingsball. 'Für uns Holzer war der Holzerball der größte, da wurde die Zeche von den Holzhändlern und Fuhrleuten bezahlt und der Bader pappte uns Tannenbart ins G’sicht', erzählt Schorsch Grieser. Die Frauen führten eine Gaudi beim Turnerball vor. Und irgendwann sagte Thekla Mayer: 'Mensch, Schorsch, ma sollt miteinander ebbas macha.' Das war der Startschuss fürs Schwangauer Gunglhos.

Beim letzten Gunglhos für diese Saison, speziell für Senioren, kam man ins Plaudern im übervollen Kurhaussaal. Von Anfang an dabei war Irene Schindele. 'Wir waren fünf Frauen und der Schorsch', sagt sie. Er hat ihnen die Rollen auf den Leib geschneidert, man holte das alte Gwand heraus und saß beim Kaffee in der Stube, wie früher daheim beim Spinnen. Nach dem Dorftratsch - und da durfte man sich schon was trauen - folgte das legendäre Gunglhos-Ballett. Der Weinbauersaal platzte aus allen Nähten. Die Kunkel ist verschwunden, die Gunglhos-Weiber tratschen mal auf dem Tegelberg, mal auf dem Forggensee, dieses Jahr im Event-Center, immer aktuell und in bestem Schwangauerisch.

Ehrenpräsident Toni Mayr erinnert sich an den ersten Faschingszug nach dem Krieg 1946. Mit seinem Freund Sepp Schmölz trieb es ihn um, das, was schon in den 1930er Jahren stattgefunden hatte, wieder auf die Beine zu stellen. 'Eine Altweibermühle gab’s damals. Und damit die Arbeiter in den Hanfwerken sich nicht für den Faschingsdienstag einen halben Tag frei nehmen mussten, wurde der Umzug bald auf den Faschingssonntag verlegt. Als die Füssener 1956 mit ihrem Faschingszug aufhörten, haben sie uns die Hüte und Stiefelchen für die Garde geschenkt.' Am Samstag war Tanz im Weinbauer, und zum Kehraus ging man ins Cafe Kümmerle. Der Zug wuchs schon in den Fünfzigern, und bis zu zwölf Kapellen marschierten mit. Das Kinder-Prinzenpaar durfte auf dem schönen blauen Königsthron mitfahren.

'Aah-so!' statt Alaaf

Als dann 1973 der Faschingsverein gegründet wurde, ging es nicht ohne Schorsch Grieser, den Erfinder des 'Aah-so!' Bei all der tollen Weiterentwicklung, meint er, sollte man sich auf lange Sicht, damit der Schwangauer Fasching sich von anderen abhebt, wie die Oberallgäuer immer wieder auf die Wurzeln besinnen. Es hupfen keine Hupfdohlen mehr, die Auftritte sind perfekt, das Motto wird jedes Jahr in toller Aufmachung umgesetzt und der Zustrom der Besucher beweist, dass die Aktiven mit dem großen Aufwand richtig liegen.

Über den Wandel der Zeit geblieben ist der Auftritt der schönsten Männer von Alterschrofen bis Brunnen, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis Kapelle. Wenn Chef Rudi Hahn die Mannen des ausgeklügelten 'Blechschadens' im Zaum hält, bleibt kein Auge trocken. Und heute wie damals singt man das Lieblingslied der Schwangauer: 'So schia isch z’ Schwoga aufm Gunglhos'.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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