Bregenz
«So etwas ist in keinem Opernhaus möglich»

3Bilder

Das Augenmerk der internationalen Öffentlichkeit liegt bei den Bregenzer Festspielen auf der Seebühne - allein wegen deren Dimension. Künstlerisch bietet das Festival aber weit mehr als ein gigantisches Bühnenbild und die malerische Kulisse der umgebenden Natur. Wir wollen wesentliche Beteiligte der am kommenden Mittwoch beginnenden Festspiele zu den beiden großen Produktionen, Verdis Oper «Aida» und die Oper «König Roger» von Karol Szymanowski, zu Wort kommen lassen.

Intendant Pountney führt Regie

David Pountney hat die Szymanowski-Oper «König Roger» schon auf seine Wunschliste für die Bregenzer Hausoper gesetzt, als er vor sechs Jahren Intendant der Festspiele wurde. Jetzt führt er selbst Regie bei diesem bisher nur wenig aufgeführten Werk. «König Roger», das den Widerstreit zwischen Ekstase und Vernunft und den Versuch des Menschen, beides in Balance zu halten, thematisiert, hat laut Pountney den Impuls für das diesjährige Motto der Festspiele «Sinn und Sinnlichkeit» gegeben. Pountney spricht von einer «gefährlichen Reise», die der Protagonist König Roger antritt, «indem er wissen will, was es heißt, an die Grenze zu gehen, und ob er es schafft, zurückzukommen». Das Stück ende in einem «wunderbaren Ausbruch von Optimismus», sagt Pountney und ergänzt: «Ein Optimismus ohne Kitsch».

Sir Elder dirigiert «kluge Musik»

Dirigent Sir Mark Elder lobt die Szymanowski-Oper in den höchsten Tönen. «König Roger ist so klug komponiert. Die Musik ist für ein riesiges Orchester geschrieben und hat viel von Debussy, findet aber seine ganz eigene Sprache», erläutert der Brite. Es sei nicht ganz einfach, den großen Klangkörper im Orchestergraben des Festspielhauses unterzubringen. Eine weitere Herausforderung für den Dirigenten sei es, eine gute Balance zwischen Stimmen und Orchester zu finden. «Das treppenförmige Bühnenbild ist klug gebaut», urteilt Elder, «es unterstützt die Stimmen».

Bariton Hendricks sucht Charakter

Der Texaner Scott Hendricks hat in Bregenz schon vielfach überzeugt. Er spielte und sang Hauptrollen bei «Tosca» (2008), «Troubadour» (2005/06) und bei der Hausoper «Der Untergang des Hauses Usher» (2006). Bariton Hendricks arbeitet mit großem Enthusiasmus an seiner Rolle, die er vor allem wegen Regisseur David Pountney und Dirigent Sir Mark Elder gerne angenommen hat: «These two guys are legendary», sagt er - «die beiden sind legendär». Kürzlich hat Hendricks in Paris den König Roger gegeben. «Ich war dort die zweite Besetzung und musste die Figur mehr oder weniger improvisieren.» In Bregenz dagegen habe er Zeit, den Charakter zu entwickeln. «Das ist viel besser», so Scott Hendricks.

Regisseur Vick bietet Neues

Graham Vick, der bei Verdis Oper «Aida» Regie führt, ist begeistert von den natürlichen Gegebenheiten der Seebühne. «Wir wollen keine Bühne auf dem See, der See ist unsere Bühne», lautet seine Grundidee für die Bregenzer Aufführung. Selbst die räumliche Distanz von Publikum und Bühne sieht er wenig problematisch: «Das Wetter ist das verbindende Element zwischen Zuschauern und Künstlern.» Allerdings forderten die Bregenzer Dimensionen - immerhin 7000 Plätze auf der Tribüne -, dass die Geschichte kontrastreich erzählt und scharf gezeichnet werde. «Die Achterbahn der Gefühle einer italienischen Oper muss noch klarer herausgearbeitet sein», so Vick. Für ihn sei es gleichgültig, sagt der Brite, ob er für ein erfahrenes Opern-Publikum inszeniere oder für Opern-Neulinge. «Ich gehe immer davon aus, dass das Publikum die Oper noch nicht gesehen hat.

Und wer glaubt, ein Werk schon zu kennen, soll möglichst noch etwas Neues entdecken können», wünscht er sich.

Dirigent Rizzi: komplizierte Arbeit

Carlo Rizzi dirigiert die Wiener Symphoniker bei den Aida-Aufführungen. Zu den Open-Air-Bedingungen in Bregenz sagt der Italiener: «Die Arbeit ist hier komplizierter als in einem normalen Theater.» Die Bregenzer Klangtechnik ermögliche aber nicht nur, die Gegebenheiten eines Opernhauses nachzuempfinden. «Wir können mithilfe der elektrischen Verstärkung Nuancen der Aida so herausholen, dass die Sänger nicht extrem laut singen müssen.» Rizzi möchte das Maximum aus den technischen Möglichkeiten herausarbeiten. Er beschreibt etwa «eine Dreidimensionalität des Klangs», die in keinem Opernhaus erlebbar sei. Nicht ganz unproblematisch sei für ihn als Dirigent der Kontakt zu den Sängern.

Die Wiener Symphoniker unter seiner Leitung musizieren im Festspielhaus, Rizzi dirigiert Solisten und Chor auf der Seebühne über Monitore. «Ich hoffe, dass das spezielle Etwas nicht verloren geht - das Einfühlen und Mitatmen mit den Sängern.»

Sopranistin Serjan schwebt davon

Tatiana Serjan, die bei der Premiere am Mittwoch die Aida singt, ist zufrieden mit den technischen Voraussetzungen. Sie war erstaunt, als sie sogar in einem Boot, das sie im Laufe der Inszenierung besteigen muss, einen Bildschirm vorfand, auf dem sie den Dirigenten verfolgen kann. Als Aida sei sie eine der wenigen, die bei Graham Vicks Inszenierung nicht im Wasser stehend singen muss. «Als ich dann aber erfuhr, ich werde in einem Boot durch die Luft schweben, wäre ich lieber ins Wasser gegangen», so Serjan.

Von der Bregenzer Umsetzung von Giuseppe Verdis Aida ist die russische Sopranistin begeistert. «Im Boot stehend singe ich Adio terra und entschwebe. Da geht der Text einher mit dem Bild. So etwas ist in keinem Opernhaus möglich.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen