Singen für die Persönlichkeit

Von Heiko Wolf
| Marktoberdorf Singt ein Grundschüler einen Solopart, lernt er früh, Verantwortung zu übernehmen. Singt er ihn bei einer öffentlichen Aufführung, gewinnt er an Selbstbewusstsein. So erklärt Konrektorin Edeltraud Süß aus Marktoberdorf beispielhaft den «Beitrag des Singens für die Persönlichkeitsentwicklung» des Kindes. Süß wird ab 16. September eine von bayernweit zwei Chorklassen unterrichten.

Laut Kultusministerium sollen in den kommenden Jahren 20 weitere bayerische Schulen Chorklassen einrichten. Heuer starten Erstklässler an der Marktoberdorfer Grundschule St. Martin und an der Grundschule in Markt Rettenbach (Unterallgäu) mit dem Pilotprojekt, das die Universität Augsburg und die Bayerische Musikakademie Marktoberdorf bewerten und unterstützen.

Für Schüler und Lehrer bedeutet das Projekt zwei zusätzliche Unterrichtsstunden, die rhythmisierend als «tägliche 30 Minuten Musik mit Schwerpunkt Singen» in den Schulvormittag eingeflochten werden: «Die Kinder singen in der Chorklasse jeden Tag als Chor», erklärt Edeltraud Süß.

Auch die Inhalte des Musiklehrplans würden dort schwerpunktmäßig über das Singen vermittelt, so Süß - Dinge wie Stimmbildung, Hören und Musizieren «direkt am Lied (gesang) aufgedröselt»: «Singen ist hier die Voraussetzung für die Herausbildung musikalischer Kompetenzen.»

«Spielverse» für Kanons in verschiedenen Rollen

Speziell bei Süß Unterrichtsansatz für die Chorklasse spielen zudem Spiel und Bewegung eine wichtige Rolle: «Spielverse» für Kanons, bei denen die Kinder in verschiedene Rollen schlüpfen, dienen beispielsweise auch als Sprechübung, Lieder werden in Tanz umgesetzt.

Das Interesse der Marktoberdorfer Eltern jedenfalls ist groß: Die Chorklasse wird gut gefüllt sein. Die Eltern haben hohe Erwartungen an das Projekt: «Kinder lernen Sprache sehr gut durch Gesang. Nicht nur das musikalische Gehör wird dadurch sehr geschult», meint etwa Barbara Gauß. Zudem erhofft sich die Mutter durch das Musische eine stärkere emotionale Bindung ihrer Tochter Helena an die Schule. Jörg Szeimies wiederum will die «große Musikalität» seiner Tochter Lenja stärken. «Sie erfindet jetzt schon kleine Melodien», erzählt der stolze Vater.

Dabei ist eine «besondere Musikalität» für die Chorklasse nicht vonnöten: «Singen kann jeder. Singen kann man lernen», sagt Jörg Schneider, Rektor der Grundschule St. Martin, bei einem Elternabend zum Thema Chorklasse. Wichtiger sei, dass Eltern und Schüler sich bewusst dafür entscheiden: «Sie müssen Ihr Kind vier Jahre in der Chorklasse lassen.» Das setze unter anderem die Bereitschaft voraus, regelmäßig an externen Aufführungen mitzuwirken. Von Musikakademie-Leiter Hans Zepnik kam die Idee, eine Chorklasse - gekoppelt mit einem Ganztagesangebot - zu gründen.

Nachdem das Kultusministerium indes die Einrichtung einer Ganztagsklasse an der Marktoberdorfer Grundschule abgelehnt hatte, schrieben Süß und Schneider, wie sie sagen, «die Chorklasse dennoch nicht ab». Um so mehr freuen sie sich darüber, dass ihre Grundschule nun eine von zwei Schulen in ganz Bayern ist, die jetzt eine solche Klasse gründen darf.

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