Kaufbeuren
Sieben Verletzte nach alltäglichem Fahrfehler

Es war ein alltäglicher Fahrfehler, wie er nach Einschätzung des Richters «jedem von uns passieren kann». Dieser führte im Juni zu einem Frontalzusammenstoß mit sieben Verletzten. Eine 19-jährige Autofahrerin aus dem Raum Mindelheim war auf der Straße zwischen Eggenthal und Baisweil wegen «geringfügig nicht angepasster Geschwindigkeit» in einer Kurve auf die Gegenspur geraten. Dort kollidierte ihr voll besetztes Auto mit dem Wagen einer Familie aus dem Raum Memmingen. Die drei Insassen dieses Fahrzeugs mussten von der Feuerwehr befreit werden.

Die Knochenbrüche und Prellungen der Familie sind mittlerweile ebenso folgenlos verheilt wie die teilweise ebenfalls erheblichen Blessuren der vier Mitfahrer der Angeklagten. Sie selbst hatte leichte Verletzungen und einen Schock erlitten. Im Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung meinte der Jugendrichter mit einem Blick auf die Polizeifotos vom Unfallort: «Wenn man dieses Trümmerfeld anschaut, dann kann man sagen: Es ist ein Glück, dass niemand tot war.»

Die Angeklagte war seinerzeit mit ihren Freunden bei einer Sportveranstaltung gewesen, die dann wegen Regens abgebrochen wurde. Auf der Heimfahrt sei ihr bei einer Geschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern in einer Kurve «plötzlich das Heck ausgebrochen».

Für den fraglichen Streckenabschnitt gilt zwar keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Der Richter verwies aber darauf, dass man als Autofahrer «nur so schnell fahren darf, dass man sein Fahrzeug immer sicher beherrscht». Im vorliegenden Fall sei die Angeklagte fünf bis zehn Stundenkilometer zu schnell gewesen.

Der Verteidiger bezweifelte dies nicht, führte aber auch mehrere entlastende Argumente ins Feld: So sei die Fahrbahn damals nass und wegen einmündender Feldwege verschmutzt gewesen. Außerdem sei die Kurve laut Aktenvermerk der Polizei als Unfallschwerpunkt bekannt. Seine bis dato völlig unbescholtene Mandantin habe nach dem Unfall zu allen Verletzten Kontakt aufgenommen und sich nach deren Befinden erkundigt. Auch der Richter stellte diese Gesichtspunkte in Rechnung, sah aber im Gegensatz zum Verteidiger keine Chance für eine Verfahrenseinstellung.

Er verwies auf den sogenannten «Knochenbrecher-Erlass» des Freistaates Bayern, der bei entsprechenden Verletzungen der Unfallopfer eine Einstellung verbietet.

Der Richter war sich mit der Staatsanwältin und dem Verteidiger darüber einig, dass sich der Grad der Fahrlässigkeit im vorliegenden Fall «am unteren Rand bewegt» hatte. Die Angeklagte wurde schließlich nach Erwachsenen-Strafrecht zu 1500 Euro Geldstrafe und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt.

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