Sieben Monate Jugendstrafe auf Bewährung für 18-Jährigen

Rabiater Bursche bricht Mädchen das Nasenbein Kaufbeuren (bbm). Mit einem Nasenbeinbruch, einer Platzwunde am Hinterkopf und einer Gehirnerschütterung endete für ein junges Mädchen (16) der Ausraster eines Bekannten. Der damals knapp 18-Jährige hatte ihr im September 2006 in Neugablonz nach einem Wortwechsel zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen, woraufhin sie rückwärts zu Boden stürzte. Das Jugendschöffengericht verurteilte den Angeklagten jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer siebenmonatigem Jugend-Bewährungsstrafe. An Auflagen sieht das Urteil die Teilnahme an einer Verhaltenstherapie sowie 100 soziale Arbeitsstunden vor.

Warum der Angeklagte damals auf seine Bekannte losgegangen war, wusste er jetzt selbst nicht mehr so recht. Er sei betrunken gewesen, nachdem er eine Flasche Kräuterbitter und mehrerer Biere getrunken hatte. Der Mann habe geglaubt, dass ihm die 16-Jährige seinen Tabak weggenommen hatte. Das junge Mädchen bestritt dies und erklärte außerdem, es sei nur anfänglich um Tabak gegangen. Eigentlicher Auslöser sei gewesen, dass der Angeklagte sich darüber erregt habe, dass sie ihn in einer Drogensache bei der Polizei 'verpfiffen' habe. Nach einem Wortwechsel auf offener Straße schlug der Angeklagte dem Mädchen mindestens zweimal mit der Faust ins Gesicht, wodurch das Opfer einen Nasenbeinbruch erlitt. Das junge Mädchen stürzte rückwärts zu Boden und trug eine Platzwunde am Hinterkopf sowie eine Gehirnerschütterung davon.

So unstrittig wie sich der Sachverhalt darstellte, so schwierig war im vorliegenden Fall die Frage nach den geeigneten Maßnahmen: Während der Verteidiger der Meinung war, man könne die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe durchaus noch aussetzen, kam dies für die Staatsanwältin nicht mehr in Betracht. Sie verwies auf vier Voreintragungen sowie auf die erheblichen Verletzungen des Opfers und beantragte eine Jugendstrafe von zehn Monaten auf Bewährung sowie 100 soziale Arbeitsstunden.

Mit Skepsis reagierte die Staatsanwältin auf die Ausführungen des Verteidigers, wonach ein Großteil der Probleme seines Mandanten, insbesondere das häufige Versäumen von Beratungsterminen, auf eine 'soziale Phobie', also auf die Angst vor Kontakten zu anderen Menschen, zurückzuführen sei. Der Verteidiger verwies auf ein nervenärztliches Attest, das seinem Mandanten ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom und eine soziale Phobie bescheinigte. Die ' großen Schwierigkeiten' des Angeklagten seien auf diese erst jetzt diagnostizierte Störung zurückzuführen. Aus dem Bericht der Jugendgerichtshilfe ging hervor, dass der Angeklagte von Kindheit an deutliche Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hatte. Auch schulisch konnte er nicht Fuß fassen und verließ die Schule im Jahr 2004 ohne Abschluss.

Bei allen Beteiligten herrschte schließlich Einigkeit darüber, dass der 18-Jährige, der sich seit dem Spätherbst 2006 in ambulanter Behandlung befindet, demnächst eine bereits vereinbarte Verhaltenstherapie beginnen muss.

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