Füssen
Sie wird niemals aufgeben

Wenn Angelika Hofer, die weltberühmte «Gänsemutter» von der Chemotherapie in Weilheim zurück ins Wasenmoos fährt, dann besucht sie mit ihrem Mann Günter Ziesler immer den Paterzeller Eibenwald in der Nähe von Wessobrunn. Dem Medikament gegen ihren Krebs liegt das Gift der Eibe zugrunde. «Und in Paterzell bitte ich den Eibengeist, nur die Krebszellen zu vernichten, sonst nichts in meinem Körper.» Das ist eine Szene aus den «Lebenslinien» mit Angelika Hofer, die das Bayerische Fernsehen am Montag, 26. Juli, um 21.45 Uhr, senden wird.

An diesem Tag wird Angelika Hofer 53 Jahre alt. 51 Jahre davon war ihr Leben zielstrebig, abenteuerlich, aufregend, abwechslungsreich, glücklich, gradlinig - «schön einfach», sagt Hofer. «Zu gerade» sagte im April 2008 Gabi Dinsenbacher, zu gerade für die «Lebenslinien», die die Freundin Angelikas für das Bayerische Fernsehen mit ihr drehen wollte. Da fehlte ein Knick, so die Freundin damals.

Von Anfang an, schon bei ihrer Facharbeit, hatte sich Angelika Hofer - ganz orientiert am großen Vorbild Konrad Lorenz und an dessen Gänsen - auf diese Vögel konzentriert und sie aufgezogen. Vater Walter Hofer, mit Mutter Margot ein erfolgreiches Eiskunstlaufpaar bei «Holiday on Ice» staunten über die Vorliebe der Tochter, unterstützen sie aber immer. Später folgten die Bücher «Gänsemutter» und «Ein Gänsesommer», die in der ganzen Welt erschienen und die Füssenerin berühmt machten.

Im Tierfotografen Günter Ziesler fand Angelika den Mann fürs Leben. Er machte die faszinierenden Fotos, sie schrieb die kompetenten Texte dazu. Ihre Bildbände aus Afrika, Südamerika, über Löwen, Affen, Elefanten, aber auch über die Tier- und Pflanzenwelt in Europa wurden Bestseller. Sie reisten um die Welt und schöpften dann im stillen, urigen Wasenmoos neue Kraft für neue Reisen, neue Projekte, neue Unternehmungen.

Bis zum Juni 2008. Völlig unerwartet kam die Diagnose Krebs. «Ja gut», sagte Angelika Hofer damals, «packen wir das an und machen das Beste draus». Der Operation folgten Chemotherapien. «Es war nicht so, dass ich da jetzt nur noch an meine Todesstunde gedacht hätte. Das war jetzt einfach ein anderes Leben.»

Von ihren Gänsen hatte sie vor Jahren gelernt, dass man immer nur eine Sache gleichzeitig machen kann, wenn man sie richtig machen will. «Das vergessen viele Menschen heutzutage.» Sie nahm den Kampf auf und schuf sich eigene «Lebenslinien». So heißt die Mail, mit der sie alle Termine absagte. Besonders um ihre Schulprojekte tat es ihr leid. «Lebenslinien» nannte sie auch ein Fotobuch, mit dem sie in dem «unwegsamen und unübersichtlichen Gelände» ihres neuen Lebens den Überblick nicht verlieren wollte.

Reiten wichtiger als Haare

Lebenslinien sind die kleinen, vertrauten Dinge in ihrem «Paradies» im Wasenmoos - wie die grauen Kiesel vom Oberrhein mit den weißen Einschlüssen in Linienform, wie der kleine Gnom mit den Haaren aus Moos. «Als nach der ersten Chemo meine Haare wieder gewachsen sind, habe ich genauso ausgesehen wie dieser Gnom», lacht die bald 53-Jährige.

Nach einer anderen Chemo fielen ihr die Haare nicht aus, aber sie bekam große Probleme mit der Haut, dass sie nicht mehr reiten konnte. «Man kann sich vorstellen, wie mein Arzt staunte, als ich die andere Therapie wieder haben wollte. Reiten ist für mein Leben wichtiger als meine Haare», erinnert sich Angelika Hofer.

Auch Gabi Dinsenbacher bekam den Knick in der Lebenslinie der Gänsemutter mit und drehte mit ihr die «Lebenslinien». Darin kommen die besten Freunde Angelikas und natürlich Günter Ziesler zu Wort: «Sie wird nie aufgeben!», charakterisiert er seine starke Frau. «Und es hat noch nie jemand geschafft, ihr einen Wunsch abzuschlagen.» Das soll auch für den Eibengeist im Paterzeller Eibenwald gelten.

«Lebenslinien - Angelika Hofer» läuft am Montag, 26. Juli, um 21.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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