Bad Grönenbach
Shanghai - Bad Grönenbach - Rom

Notker Wolfs Augen sehen müde aus. Der Abtprimas der Benediktiner ist heute Morgen nach einem elfstündigen Flug von Shanghai nach München um 7.15 Uhr gelandet. «Die Maschine hatte wie so oft Verspätung», ärgert sich der 69-Jährige immer noch ein wenig, während er im Gasthaus Post in Bad Grönenbach zum Mittagessen eine Hochzeitssuppe und Kässpatzen bestellt. Aber er schaffte es trotz verspäteter Landung dennoch rechtzeitig zum Firmungsgottesdienst in seinem Geburtsort. Diese Feier ist jedes Jahr fester Bestandteil seines vollen Terminkalenders. «Es ist immer ein besonderer Tag für mich, wenn ich in meine geliebte Heimat zurückkomme - auch wenn ich heute Abend schon wieder nach Rom muss», versicherte er den Menschen in der voll besetzten Stiftskirche.

So wirkt er jetzt am Mittagstisch trotz aller Müdigkeit auch locker und fröhlich. «Es gibt stets ein großes Hallo, wenn ich hierherkomme», sagt Wolf und fügt lächelnd hinzu: «Ich kenne hier zum Beispiel ältere Menschen, die mich duzen, und die ich immer noch sieze.» Diese haben den Benediktinerchef schon als Bub gekannt, bevor er sich mit gut 14 Jahren auf ins Gymnasium nach St. Ottilien machte. «Ich hatte damals die Geschichte eines Missionars gelesen», erinnert er sich: «Da wurde mir klar: so etwas möchte ich auch machen.» Seine Eltern hätten im damals keine Steine in den Weg gelegt, sondern ihn mit ihrem Einverständnis ziehen lassen. Zum Abschied habe seine Mutter allerdings gesagt: «Wenns dir dort nicht mehr gefällt, kannst du jederzeit wieder nach Hause kommen.

<p class='nurwennwerbung'>» Das habe ihm natürlich gut getan.</p><p class='tbold'>300000 Flugkilometer pro Jahr</p>

Letztlich ist Wolf aber seinen damals eingeschlagenen Weg weitergegangen und nach verschiedenen Funktionen in der katholischen Kirche (siehe Infokasten) nun schon seit neun Jahren oberster Repräsentant der Benediktiner. Diese Aufgabe führt ihn regelmäßig auf Reisen rund um den Globus: «In der vergangenen Woche war ich in Nordkorea und habe einen Vertrag zum Weiterbau unseres dortigen Krankenhauses unterzeichnet.» Alles in allem sei er an seiner eigentlichen Arbeitsstätte in Rom nur etwa die Hälfte des Jahres. «In der restlichen Zeit fliege ich in der Weltgschicht rum», meint er schmunzelnd. So bringe er es pro Jahr auf rund 300000 Flugkilometer. Das schlauche ihn zwar manchmal ganz schön, aber er tue es dennoch mit Freude.

<p class='nurwennwerbung'>Schließlich lerne er dabei viele Länder kennen. «Und liebe Menschen - und ich mag die Menschen eben.»</p>

Um sich für das stressige Leben eines Globetrotters fit zu halten, macht der 69-Jährige täglich ein leichtes Training mit Dehn- und Streckübungen. Zudem greift er als Ausgleich gerne zur elektrischen Gitarre und tritt mit seiner Band «Feedback» auf. Indes freut er sich bereits auf eine ganz andere Art von Konzert am 24. Juli nächsten Jahres in der Ottobeurer Basilika. Dort werden Musiker auf Initiative des Vereins ProNah ein Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Päpstlichen Hochschule Sant Anselmo in Rom geben, deren Großkanzler Wolf ist. Der Abtprimas wird dabei Stücke mit der Querflöte begleiten. «Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar», sagt Wolf - und seine Augen leuchten auf.

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