Gericht
Serienbetrug in offener Bewährung: Geständiger Angeklagter (21) in Kaufbeuren zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt

Mit zwei ungedeckten Geldkarten – eine von einer Kaufbeurer Bank, die andere von einem Münchner Geldinstitut – ging ein heute 21-jähriger Kaufbeurer im vergangenen Jahr immer wieder auf Einkaufstour. Neben Lebensmitteln und Kleidung erwarb er auch Alkohol und Zigaretten. Die Lastschriften gingen jeweils zurück, die Geschäfte blieben auf ihren Außenständen sitzen. Der junge Mann musste sich jetzt wegen 23 Fällen des Betrugs vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Zwar war der Gesamtschaden mit rund 1 400 Euro aus Sicht des Vorsitzenden nicht allzu hoch. Auch habe die Münchner Bank den Eingang ungedeckter Lastschriften 'neun Monate lang fröhlich zugelassen'. Weil der junge Mann aber bereits mehrfach vorbestraft ist und bei seinen Taten auch noch bezüglich einer Reststrafe unter Bewährung stand, kam jetzt nur die Verhängung einer weiteren Haftstrafe in Betracht. Diese wurde unter Einbeziehung der vorausgegangenen Verurteilung auf drei Jahre und neun Monate festgesetzt. Weil ein Großteil der Strafe aus dem einbezogenen Urteil bereits vollstreckt ist, muss der Angeklagte noch knapp zwei Jahre verbüßen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Wegen erheblicher Brüche im Leben des jungen Mannes kam auf ihn jetzt noch Jugendstrafrecht zur Anwendung. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe hatte in ihrer Stellungnahme von 'einem äußerst problematischen, familiären Hintergrund' gesprochen. Aus der eigenen Einlassung des Angeklagten ging hervor, dass es ihm offenbar äußerst schwer fällt, Hilfe anzunehmen. Im konkreten Fall hatte er sich nicht an seine Bewährungshelferin gewandt, als ihm Hartz IV- Zahlungen gestrichen wurden, sondern war stattdessen mit seinen ungedeckten EC-Karten zum Einkaufen gegangen. Der damalige Zahlungsstopp war offenbar darauf zurück zu führen gewesen, dass der junge Mann wiederholt Jobangebote abgelehnt hatte. Vor Gericht begründete er dies mit der Aufnahme eines Fernstudiums.

Auf die Frage des Richters, warum er denn nicht mit der zuständigen Behörde geredet habe, meinte der Angeklagte: 'Weil ich ein Dickschädel bin!' Dass ihn diese Eigenschaft auch sonst schon in Schwierigkeiten gebracht hat, ging aus einem Bericht der Jugendstrafanstalt hervor, in der er bis zum Sommer 2009 in Haft war: Seine dortigen Regelverstöße füllten, wie es jetzt der Staatsanwalt formulierte, 'fast schon ein Buch an Disziplinarmaßnahmen.'

Vor Gericht war der Angeklagte voll geständig und gab sogar eine weitere Straftat zu, bei der das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist: Er habe heuer in Kempten ein Auto gestohlen und dieses dann in einem Weiher bei Biessenhofen 'versenkt.'

Diese freimütige Erklärung war für den Verteidiger ein deutliches Zeichen dafür, dass sein Mandant zu allen Taten stehen und nach Verbüßung sämtlicher Strafen ein neues Leben beginnen wolle. (bbm)

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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