Landwirtschaft
Serie Lara und die Landwirtschaft: Metzger trifft Kälbchen

Warum haben kleine Kälbchen Iglus? Und warum werden weibliche Rinder meist viel älter als die Jungs? Fragen rund ums Rinderdasein gibt es viele. In der Serie 'Lara und die Landwirtschaft' greifen wir Themen aus der Landwirtschaft auf.

Kälbchen Lara ist ja fast schon großes Mädchen und lebt in einer kleinen Gruppe. Freilich nicht von Anfang an. Schon einige Stunden nach der Geburt kommen die Kälbchen bei Landwirten häufig in spezielle Iglus – auch im Sommer.

Die kann man sich als eine Art Hundehütte vorstellen, jeweils mit einem kleinen eingezäunten Außenbereich. Auch wenn es für manchen schwer vorstellbar ist, die Tiere so früh von ihrer Mutter zu trennen – es hat laut Bauer Hans Dauser unter anderem den Sinn, sie frühzeitig an Menschen zu gewönnen.

Die Mutterkuhhaltung dagegen dient laut Dr. Josef Hiemer (Landwirtschaftsamt in Kempten) für Masttiere. Dort blieben die Kälbchen knapp ein Jahr bei der Mutter, würden lange gesäugt und liefen auf der Weide mit. Hiemer: 'Da geht’s um Fleischgewinnung.'

Nach zehn, zwölf Monaten hätten die Tiere 350 bis 500 Kilogramm Lebendgewicht. Mutterkuh- und Fleischrindrassen im Allgäu sind demnach unter anderem Blond d’Aquitaine, Angus, Charolais, Galloway, Wagyu, Highland und Kreuzungen wie Deutsch Angus.

Zurück zum Dauser-Hof. Dort wie bei vielen anderen Bauern bleiben die Kälbchen etwa für die ersten sechs Wochen in ihren Iglus. Einerseits getrennt voneinander, andererseits so nah, dass sie Kontakt halten können. Danach kommen die Tiere in Gruppen. Jungs sind da bis auf Ausnahmen kaum mehr dabei.

Die meisten männlichen Kälbchen gehen schon nach drei, vier Wochen zur Mast. Da haben sie bereits ein stattliches Gewicht und sollen weiter zulegen, ehe der Metzger sie trifft.

Das ist gewiss kein Thema für Zartbesaitete. Doch wer Milch und Käse, Quark, Joghurt und Sahne mag, kommt daran nicht vorbei. Schließlich müssen die Kühe als reine Nutztiere regelmäßig kalben, damit sie weiter Milch geben. Und die vielen 'Molla', die dann eben auch auf die Welt kommen, sind in einem Milchviehbetrieb nicht gefragt.

Auch den Dausers selbst geht das Thema Mast und Schlachten nicht am Herz vorbei. 'Man gewöhnt sich daran', meint Bäuerin Claudia Dauser. Sie baue zu Stierkälbchen aber auch keine Bindung auf. 'Mir ist wichtig, dass es die Kälbchen bei uns gut haben.' Ihr Mann Hans fühlt vor allem bei Kühen mit, die viele Jahre im Stall waren, aber eines Tages zu alt sind. Darum ist er froh, dass es den Schlachthof in Sonthofen gibt und heimische Metzger, die selbst schlachten: Das spare den Tieren lange Transporte und er wisse, dass alles gut und schnell läuft.

Lara lebt mit zwei Stierkälbchen in einer Gruppe. Dass sie von den Zwillingen bald getrennt wird, braucht sie nicht zu fürchten. Lara soll ja eine Milchkuh werden. Und die Zwillinge bleiben 30 Monate am Hof, weil sie zu leicht waren, um in die Mast verkauft zu werden. Sie werden kastriert und haben dann als Ochsen zwei Bergsommer vor sich. Erst dann werden sie geschlachtet.

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