Unterallgäu
Selbst die Besten habens schwer

Noch vor drei, vier Jahren gab es im Unterallgäu knapp 2500 Milchviehbetriebe. Heute sind es nur noch 1950. Das Bauernhofsterben hat also bereits in einer Zeit eingesetzt, als der Milchpreis noch deutlich höher lag. Im Grunde genommen gibt es zwei Typen von Betrieben: Die einen haben seit Jahrzehnten kaum noch investiert. Die Gebäude sind abgeschrieben, der Maschinenpark veraltet. «Das sind vielfach Betriebe, die rund 35 Kühe haben», sagt Johann Burkhardt, Leiter der Abteilung Beratung und Bildung am Amt für Landwirtschaft in Mindelheim.

Diese Bauernfamilien stehen vor der Entscheidung: viel Geld in die Hand nehmen und aufstocken oder aufhören. 70, eher 80 Kühe, das ist die Hofgröße, die die amtliche Beratung offenbar für zukunftsfähig hält. Weil dazu oft die Flächen fehlten, bleibe diesen Betrieben meist nur der Weg, ihre Flächen zu verpachten oder die Aufzucht für einen anderen Landwirt zu übernehmen.

Die anderen Höfe haben rund 35 Jahre alte Gebäude. Diese Landwirte haben Geld zum Investieren zur Seite gelegt. Wer bauen will, bekommt Hilfen vom Landwirtschaftsamt. 20 bis 35 Prozent der förderfähigen Investitionssumme eines Stallbaus könnten unter bestimmten Voraussetzungen vom Staat kommen, sagt Markus Hofmann (Amt für Landwirtschaft). Einen Zuschuss gebe es aber nur, wenn gemeinsam mit dem Amt ein Betriebsentwicklungsplan aufgestellt werde.

2008 haben laut Burkhardt rund 65 Betriebe im Landkreis in neue Stallungen investiert. Heuer seien es nur noch rund 20.

Burkhardt betont, dass auch im Vorjahr bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit nie von einem hohen Milchpreis ausgegangen worden sei. Zugrunde gelegt waren rund 30 Cent. Dieser Preis wird derzeit aber deutlich unterschritten. Die Bauern bekommen heute weniger Milchgeld, als die Produktionskosten ausmachen. Darin sind sich alle Experten einig. Wer also im Vorjahr mit zu dünner Kapitaldecke und mit allzu optimistischen Erwartungen an den Milchpreis Schulden gemacht hat, der hat derzeit schwere Zeiten zu durchstehen. Burkhardt: «Wenn der Milchpreis so bleibt, dann kommen viele Betriebe absolut in die Bredouille.»

Markus Hofmann sagt: «Wäre der Preisverfall bei der Milch in diesem Ausmaß bekannt gewesen, hätten wir einzelnen Betrieben abgeraten zu investieren.» Einen Preis von mindestens 35 Cent je Liter hält Burkhardt für notwendig, damit die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können. «Ich hoffe sehr darauf», betont der Leiter am Amt für Landwirtschaft, «dass das möglichst bald so kommt.» Immerhin zeichne sich eine leichte Verbesserung ab: In Österreich sei der Milchpreis aktuell um 1,8 Cent gestiegen, was Hoffnung auch für unsere Region mache.

Dass der Preis heuer derart in die Knie gehen würde, «war für mich nicht vorhersehbar», sagt Burkhardt. Allerdings habe er auch nicht damit gerechnet, dass die hohen Preise zu halten sein würden.

Was aber können die Landwirte in der jetzigen Situation tun? Als staatliche Institution sei das Amt für Landwirtschaft zu Neutralität verpflichtet. «Deshalb müssen wir uns aus der Debatte zwischen Politik und Bauernverbänden heraushalten.» Allerdings legt Burkhardt jedem Landwirt sehr ans Herz, seinen Betrieb auf die Kostenstruktur hin genau unter die Lupe zu nehmen.

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