Sprachpaten
Seit fünf Jahren gibt es das Integrations-Projekt in Thingers

«Es ist schön zu sehen, wie sie groß werden», sagen Heide Herold und Sybille Dumreicher, als sie vor dem Schrank mit den Büchern, Spiel- und Malsachen stehen. Dann wählen die Frauen ein Buchstabenspiel, Stifte und Papier aus und gehen wieder in den anderen Raum im Bürgertreff Thingers, wo «ihre» Kinder warten. Heide Herold und Sybille Dumreicher sind Sprachpaten, betreuen ehrenamtlich Kinder mit Migrationshintergrund. So wie Wolfgang Nitsche, der mit seinem Schützling Edwin gerade ein Malbuch zur Tierwelt durchgeht.

Angefangen, berichtet Stadtteilmanagerin Kyimet Akan, hat alles vor fünf Jahren - mit nur einer Patin und einem Kind. Heute, ergänzt sie, kümmern sich 27 Paten um 42 Kinder und treffen sich mit ihnen einmal in der Woche. Edwin, Berat, Manuel, David und Daniel kennen ihre Paten seit Jahren. Christian dagegen ist neu in der Runde - und als Kleinster noch etwas zurückhaltend. Und wo kommen die Buben her? << Deutschland >>, lautet durchwegs die Antwort - die Eltern aber aus Kasachstan, der Türkei oder Russland. Weshalb die Buben oftmals zwar in der Schule, nicht aber in ihren Familien Deutsch sprechen.

<< Aber es geht ja nicht nur um die Sprache >>, sagen die Patinnen. Sondern vor allem auch darum, den Kindern Einblick in den deutschen Alltag zu ermöglichen, ihnen Werte und Kultur zu vermitteln. Deshalb steht bei den Treffen keineswegs Büffeln oder eine Art Unterricht auf dem Programm, sondern das gemeinsame Spiel oder Erlebnisse.

<< Wir waren schon im Museum und bei der Hängebrücke in Altusried >>, verrät Berat. << Und bei der Polizei und der Feuerwehr >> - << und in einer Bäckerei >>, rufen die Buben zwischen neun und zwölf munter durcheinander. Ans Projekt vermittelt werden die Kinder übrigens über die Nordschule.

Und wie kam es, dass sich Herold, Dumreicher und Nitsche als Sprachpaten beim Stadtteilbüro gemeldet haben? << Bei mir war es so, dass ich in Pension gegangen bin und überlegt habe, was ich dann Sinnvolles tun kann >>, erzählt Nitsche - und die Frauen nicken. << Ohne unsere Kinder wäre es doch langweilig >>, fügen die beiden hinzu. Für Stadtteilmanagerin Akan ist das ein gutes Beispiel dafür, wie das Brücken bauen zwischen den Kulturen gelingen kann - und dafür, dass Integration << keine Einbahnstraße >> ist. Denn auch die Sprachpaten würden ein neues Verhältnis zu den Kulturen der Kinder entwickeln. Die Sprachpaten in Thingers - für Akan eine Erfolgsgeschichte. Eine mit einem kleinen Wermutstropfen: Denn es gibt eine Warteliste mit Kindern, die bislang nicht aufgenommen werden konnten. Akan: << Wir bräuchten noch mehr Paten. >>

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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