Ermittlungen
Seit 2015 mehr als 100 Fälle von Tierquälerei im Allgäu: Betroffen sind Katzen, Hunde, Kühe und Pferde

Sie sind oft nicht in der Lage, Gefühle anderer richtig zu deuten, empfinden sogar Lust an Grausamkeit – und die meisten Fälle gab es zuletzt im Ostallgäu: Allgäuer Tierquäler haben in den vergangenen eineinhalb Jahren 109 Mal gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, 33 Mal war das Ostallgäu betroffen.

Zuletzt ermittelte die Polizei wegen einer in Kaufbeuren getöteten und an einem Dachbalken aufgehängten Katze. 31 Fälle gab es im selben Zeitraum im Oberallgäu und 28 im Unterallgäu. Als 'eine Form von Sadismus', beschreibt Professor Peter Brieger, ärztlicher Direktor des Kemptener Bezirkskrankenhauses, das Phänomen. Die Polizei sagt: Generell ist es schwierig, solche Taten aufzuklären, auch im Fall der getöteten Katze ist der Täter weiter unbekannt.

Hunde, gequälte Kühe oder falsch transportierte Kühe, geschändete Pferde und Tauben, auf die mit dem Luftgewehr geschossen wurde: Die Verstöße verteilen sich auf verschiedene Tierarten. Eher selten sind (wie im Fall Kaufbeuren) Tierschutzverstöße bei Katzen, sagt Jürgen Krautwald, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben-Süd/West.

An einen Fall kann er sich dennoch erinnern: 2015 wurde in Kaufbeuren eine Frau angezeigt, die 29 Katzen in einem Auto eingesperrt hatte. Gegen ein Tierhaltungsverbot war die Frau allerdings vor dem Verwaltungsgericht vorgegangen.

In Kempten hat unterdessen ein Pferdehalter und früherer Berufsschullehrer jahrelang das dortige Ordnungsamt, das Veterinäramt und später auch die Gerichte beschäftigt: 'Aus Prinzip' hatte er seinen Pferden keinen Witterungsschutz zur Verfügung gestellt. Mehrfach musste er Bußgeld zahlen, zuletzt im vergangenen Jahr 4.000 Euro. Seither hat es keine neuen Verstöße mehr gegeben, heißt es aus dem Kemptener Ordnungsamt.

Ebenfalls vor dem Kemptener Amtsgericht wurde vor einigen Monaten wegen nicht genehmigter Tiertransporte zum Schlachter verhandelt – und zuletzt im Januar gegen einen Landwirt aus dem nördlichen Oberallgäu. Er hatte seine Kühe monatelang im kniehohen Mist stehen lassen, gab ihnen verschimmeltes Futter, enthornte einmal eine Kuh ohne Betäubung.

Menschen, die Tiere quälen, besitzen oft nur eine geringe Empathiefähigkeit – sind also nicht oder nur schwer in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuvollziehen, sagt Bezirkskrankenhaus-Direktor Brieger. Das könne bis ins Sexuelle – gerade bei Pferdeschändungen – gehen. Es gebe natürlich auch andere Fälle, bei denen Jugendliche in der Gruppe Tieren etwas antun.

Kurios, allerdings tödlich für tausende Bienen, endete vor wenigen Tagen ein Fall aus dem Oberallgäuer Wiggensbach: Ein Honigdieb zerstörte zwei Bienenstöcke, dabei befand sich darin nicht einmal Honig. Überlebende Bienen vertrieben den Täter, Zeugen sollen sich unter (0831) 9909-0 melden.

Eine weitere Form des Tierquälens sind Giftköder. Die Polizei Wangen berichtete vergangene Woche von mit Nägeln präparierten Wurstködern. Tiere sind dabei nicht zu Schaden gekommen (Hinweise nimmt die Polizei unter 07522/9840 entgegen). Speziell in ländlichen Gebieten gibt es immer wieder Unfälle mit Rattengiftködern von Landwirten. Hunde würden versehentlich vergiftet, sagt Polizeisprecher Krautwald.

Autor:

Stefanie Heckel aus Kempten

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