Memmingen
«Sehen und gesehen werden»

Es hat sich einiges getan im Herzen der Stadt: Die Häuserfassaden glänzen in frischen Farben, der dunkle Asphalt ist glatten, hellen Pflastersteinen gewichen. Und abseits der Fahrbahn, wo früher gerade einmal ein paar Stehtische Platz fanden, bieten Gastronomen nun weiträumig bequeme Sessel-Landschaften an.

Auch beim Weinfest der Werbegemeinschaft «Junge Altstadt» am Samstag wurde dieses neue Angebot gerne zum Schlemmen und Verweilen genutzt, zusätzlich lockten ab Mittag zusätzlich Feststände. Nach Angaben von Hermann Zelt (stellvertretender Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes) kamen insgesamt rund 1500 Besucher.

«Genau der richtige Ort zum Sehen und Gesehen werden», wie Gertrud Wieland feststellte. «Ich genieße die vielen Leute und die Musik. Das war eine gute Idee. Zum Weinmarkt und zur Jahreszeit passt so ein Weinfest perfekt», sagte die 63-jährige Memmingerin.

Sichtlich angetan war auch Michael Schraut aus Memmingen: Der 53-Jährige ließ sich zu den Klängen der Blasmusik Trauben, Käse, Schinken und ein Glas Rotwein schmecken. «Ein wirklich sehr, sehr schönes Fest ist das hier», lobte er.

Für den Verkehr war der Weinmarkt am Samstag ausnahmsweise gesperrt; ein Zustand, an den sich viele Memminger offensichtlich gerne gewöhnen würden. «Die neue Regelung ist nichts Halbes und nichts Ganzes», findet Schraut. Er sehe zwar ein, dass die Strecke über den Weinmarkt eine wichtige Verkehrsader sei, aber «eine Einbahnstraße» wäre in seinen Augen eine bessere Lösung. «Man muss die Leute eben dazu erziehen, hier nicht so oft durchzufahren.»

Gertrud Wieland betrachtet die derzeitige Verkehrsberuhigung zwischen Hallhof und Roßmarkt sogar als «gefährlich für ältere Menschen» und wünscht sich eine bessere Beschilderung. Wenn man momentan die Straße am Weinmarkt überquere, seien Fußgänger und Autofahrer oft verunsichert, wer nun Vorrang habe. «Ich warte nur drauf, bis da mal jemand angefahren wird.»

Die verbliebenen Parkplätze wären für Wieland ebenso verzichtbar wie für Gerti Hempfer, die extra aus Pleß zum Weinfest kam. «Es gibt doch genügend Parkhäuser, da muss man nicht an den Weinmarkt fahren», betonte die 66-Jährige. Auch Wilhelm Wassermann aus Memmingen wäre es am liebsten, wenn es dort, wo er am Samstag auf einer Bierbank saß, immer Platz für Passanten statt für parkende Autos gäbe. «Ich brauche hier keine Parkplätze, es ist auch so alles gut erreichbar in der Innenstadt.»

«Schön, wie die Leute vor den Lokalen sitzen»

Rundum zufrieden fällt das Fazit von Hans Seitz zur Umgestaltung des Weinmarktes aus: «Es ist schön, wie die Leute jetzt schon in der Früh vor dem früheren Knöringer-Weinhaus und vor anderen Lokalen sitzen. Das war früher nicht so.» Besonders gut gefällt dem 70-jährigen Memminger die Lösung mit den eher flachen Pflastersteinen. Hier habe man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, denn im Gegensatz zum Marktplatz könne man über das Pflaster des Weinmarktes auch «ohne Probleme mit Fahrrädern oder Gehwagen drüber».

Angesichts der neuen Lebendigkeit in der Innenstadt pflichtete Seitz Blumenkönigin Daniela Maul schließlich gerne bei, als sie auf der kleinen Bühne des Weinfestes voller Pathos sang: «Memmingen - ich lebe gerne in dir.»

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