Verkehr
Segen und Millionengrab: Vor 50 Jahren fuhr das erste Auto über den Riedbergpass

«15 Millionen Euro. Dem Landrat ist es sehr wichtig, dass diese Zahl genannt wird. Der Riedbergpass ist und bleibt ein Millionengrab.»

Andreas Kaenders ist Sprecher des Landratsamtes Oberallgäu und meint die Summe, die der Landkreis in den vergangenen zehn Jahren in den Pass investiert hat. 1956 fing man an, die Straße in die Allgäuer Alpen zu schlagen. Am 1. September 1961 fuhr dann das erste Auto über die Räckertobelbrücke. Der Riedbergpass war somit befahrbar. Das war vor 50 Jahren.

Und einer erinnert sich genau. Sepp Kienle ist mit knapp 88 Jahren sozusagen der Dorfälteste in Balderschwang. << Es hat sich vieles geändert, seit wir uns zum Illertal hin geöffnet haben. >> Denn vor dem Riedbergpass glich Balderschwang einer deutschen Enklave, die nur über Österreich zu erreichen war. << Wir hatten auf einmal andere Möglichkeiten zum Einkaufen und neue Handwerker. >> Kienle erinnert sich auch an den Aufschwung in Sachen Tourismus. Doch nicht alle Menschen in Balderschwang glaubten zu jener Zeit daran, vom Riedbergpass profitieren zu können. Im Gegenteil.

Anfang in Obermaiselstein

1956 machte man von Obermaiselstein aus den Anfang. Von Balderschwang aus ging man jedoch erst ein Jahr später an die Arbeit. Anton Kienle, Bruder von Sepp Kienle, war damals Bürgermeister der Enklave. Und sehr skeptisch gegenüber der Idee eines Riedbergpasses. << Mein Bruder hatte befürchtet, dass die Straße eh nur bis Grasgehren gebaut wird, weil dann das Geld ausgeht. >> Geschätzt wurde das Vorhaben seiner Zeit auf 1,2 Millionen D-Mark. Doch schon damals zeichnete sich ab, dass der Riedbergpass einmal ein Millionenschlund werden würde.

Die Rechnung 1961: 5,1 Millionen D-Mark. Grob, anhand der damaligen Kaufkraft des Geldes geschätzt, würde dieser Betrag heute rund 25 Millionen Euro entsprechen. Über die Hälfte dieser Summe, 15 Millionen Euro, steckte der Landkreis Oberallgäu allein in den vergangenen zehn Jahren in den Pass.

Instandhaltung. Denn der Untergrund ist in ständiger Bewegung. Laut Landratsamt befand sich vor Jahrzehnten die ganze Straße einige Meter weiter oben. << Der Untergrund besteht aus einer Art mooriger Gleitschicht >>, erklärt Kaenders. Die rutsche wiederum auf dem stabilen Felsuntergrund - um so stärker, je feuchter die Schicht wird.

Deswegen wird versucht, den Untergrund mit Bohrpfählen zu fixieren. Entsprechendes passiert zur Zeit an einem 600 Meter langen Stück auf der Talseite. Allein hierfür werden über 2,6 Millionen Euro fällig. Nicht ohne Grund versuchte der Landkreis mehrfach in den vergangenen 20 Jahren, den Pass an den Staat abzugeben. Vergebens.

Neue Straße, neue Liftanlage

Für den Tourismus in Balderschwang bot der Riedbergpass eine Bereicherung. Schon im ersten Winter nach Fertigstellung sorgte der neue Alpweg für zahlreiche Besucher im Ort - auch wegen der 1961 nagelneuen Liftanlage. Daran erinnert sich Sepp Kienle. Und auch eine weitere Befürchtung seines Bruders ist ihm im Gedächtnis geblieben. Mit der sollte Anton Kienle auch recht behalten. << Die Ruhe im Ort ist schon stark gestört. Die im Kleinwalsertal haben schon recht, wenn die es so lassen wollen, wie es ist. Die haben keinen Durchgangsverkehr. >>

Am 1. Januar 2012 gibt es noch ein Jubiläum. Dann befindet sich die sogenannte Kreisstraße OA9 seit 40 Jahren in der Trägerschaft des Landkreises.

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