Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Sechs Jahre Haft für EC-Karten-Fälscher in Kempten

Zu einer sechsjährigen Haftstrafe hat gestern Abend das Landgericht Kempten ein Bandenmitglied verurteilt, weil es EC-Karten gefälscht hatte. Die Gruppierung hatte in sieben Fällen (davon drei im Allgäu) an Geldautomaten Daten ausgespäht und die Kontoinhaber mit eigens nachproduzierten Karten um insgesamt 800.000 Euro geschädigt.

Während des Prozesses wurde zudem geklärt, dass der 43-Jährige nicht, wie zunächst angenommen, der Kopf der Bande gewesen war - sonst wäre die Strafe weitaus höher ausgefallen. Außerdem sprach für ihn, dass er sich in seinem Heimatland Rumänien gestellt hatte. Er war dann nach Deutschland ausgeliefert worden, wo Anklage gegen ihn erhoben wurde.

Gleich zu Beginn des Prozesses legte der 43-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Der Rest der Bande ist zum Teil noch flüchtig. Der Staatsanwalt hatte auf sechs Jahre und neun Monate Haft, die Verteidigung auf fünf Jahre plädiert.

Das Geschäftsmodell der Bande sah folgendermaßen aus: 2011 hatten die Verbrecher sieben Bankautomaten mit Vorrichtungen ausgestattet, die es erlaubten, mit einer Kamera die Eingabe der Geheimnummer zu filmen. Zugleich wurde die bestehende Kartenschlitzvorrichtung abgeschraubt und ein präparierten Kartenschlitz angebracht, mit dem die Daten auf der Karte ausgelesen werden konnten.

Die gewonnenen Informationen wurden zum Angeklagten übertragen, der zu diesem Zeitpunkt in Südamerika wohnte. Dort sei es offenbar besonders leicht möglich, mit gefälschten EC-Karten Geld abzuheben. Diese Aufgaben wiederum übernahmen 'die kleinen Fische', wie der Richter betonte. Die Aufgabe des Angeklagten war es, das zu koordinieren.

Auch hatte er seine Komplizen in Deutschland mit der nötigen Technik ausgestattet. Unter anderem zeigte sich aber bei dem Prozess, dass er nicht mehr Anteil am 'Gewinn' bekam, als andere Mitglieder. Deshalb ging das Gericht davon aus, dass der Mann nicht der Kopf der Bande ist. Nach weiteren Mitgliedern wird derzeit gefahndet.

Schulden als Motiv

Als Motiv gab der Mann Schulden an. Er hatte vergeblich versucht, sich mit einem Club in Rumänien selbstständig zu machen. Dort verkaufte er auch Drogen.

Der 43-Jährige schilderte, dass er 'nach rumänischen Maßstäben' in einer intakten Familie groß geworden war. Er ist verheiratet und Vater einer fünfjährigen Tochter. Er zeigte sich vor Verkündung des Urteils deprimiert: 'Ich bin am Ende meines Lebens', sagte er.

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