Ottobeuren
Schwitzige Lyoner mit Romadur

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Das hat man nun davon: Da schickt man die Kinder statt aufs Feld in höhere Schulen und statt den Hof zu übernehmen, kommen sie dann als Filmemacher, Drehbuchschreiber, Schauspieler und Kabarettist aus der Großstadt zurück, um die Eltern vor Hunderten von Zuschauern bloßzustellen. Das alles ist nämlich der Stephansrieder Landwirtssohn Maxi Schafroth (halt: Banker fehlt noch), der bei seinem Heimspiel im restlos ausverkauften neuen Hirschsaal in Ottobeuren den Zuschauern die Lachtränen in die Augen trieb. Aber dann, nach gut zwei Stunden Allgäukunde in kabarettistischer Reinkultur, geht der vorgeführte Vater einfach selbst auf die Bühne, schnappt sich das Mikrofon und liest dem (sichtlich berührten) «Bua» kurzerhand selbst die Leviten - ehe er ihm mit vor Stolz geschwellter Brust ein kurzes «einwandfrei!» mit auf den weiteren künstlerischen Weg gibt. Viele Worte macht ein Allgäuer Bauer eben nicht.

«Einwandfrei» ist übrigens nicht das schlechteste Attribut, um Schafroths Kabinettstückchen «Faszination Allgäu» auf den Punkt zu bringen. Denn was der 24-Jährige dort, «wo er entsprungen ist», auf die Bühnenbretter bringt, amüsiert nicht nur die (vermutlich geschlossen anwesenden) «Maibaum- und Bulldogfreunde Stephansried», Tante Ela in der zweiten Reihe oder alle, die Handzeichen geben, als er fragt, mit wem er «persönlich bekannt» ist. Schon die erste Nummer als perfekt inszenierter Vereinsvorsitzender lässt ahnen, dass hier keiner billige Witze über eine oft belächelte Region reißt, sondern einer, der diesen Landstrich mit der Muttermilch aufgesogen hat, eine ebenso scharfsinnige wie skurrile Parodie darüber gebastelt hat.

Viel Gespür für die Figuren

Mit unglaublich viel Gespür für seine Figuren schlüpft Schafroth etwa in die Rolle des krummbeinigen Altbauern, der sein Bschüttloch zur «Delfintherapie» mit Paddelrindern für Münchner Oberschichtkinder ausgebaut hat. Den Ascona fahrenden Landmaschinenvertreter, der seine Geschäfte gern mit den Allgäuer Konjunktiven «däbet» und «häben» einfädelt, gibt er ebenso überzeugend, wie den betrunkenen Dorfbewohner, der erst den Schlüssel nicht findet und dann das eheliche Nachtlager. Über seine Stockbetterfahrungen plaudert der Maxi ebenso kurzweilig, wie über Omas Gummistiefelfeuer, ausgebrochene Schompa oder Vaters Reschtepfändle, in dem die schwitzige Lyoner unter einer dicken Romadurschicht verbraten wird.

Zusammen mit dem köstlich amüsierten Publikum läuft er in Sepplhut und Trachtenjanker zu Höchstform auf - und setzt einen Augenblick später im Bankerslang («Banking is a challenge») oder Merkelton noch eins drauf. Vollends Gas gibt er schließlich zusammen mit seinem hervorragenden «Rinderrhythmusgitarristen» Markus Merk (ebenfalls aus Stephansried): Da werden Flüche gerockt oder Kässpatzen in den höchsten Tönen besungen, dass es eine wahre Pracht ist. Fast ohne Ton und Bewegung kommt dagegen der ukrainische Stallknecht Sergej aus - ein mafiaverdächtiger Sonderling, dem man nicht im Wald von Notza Sepp begegnen will

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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