Schlägereien
Schwere Gewalttaten: Allgäuer Polizei spricht von eklatantem Anstieg der Fälle

Faustschläge bis zur Bewusstlosigkeit. Tritte gegen den Kopf, obwohl das Opfer bereits regungslos am Boden liegt. Der tragische Tod von Tugce A. in Offenbach ist nur einer von vielen Fällen in Deutschland, bei denen Täter mit extremer Härte auf ihre Opfer einschlagen. Doch auch in unserer Region sorgen brutale Gewalttäter immer wieder für Schlagzeilen.

Vor zehn Jahren war es anders

Dass sich diese Delikte häufen, ist beileibe keine subjektive Wahrnehmung: Christian Owsinski, Sprecher des Polizeipräsidiums in Kempten, spricht von einem 'eklatanten Anstieg der Fälle im Allgäu'. Wurden 2003 nicht einmal eine Handvoll solcher Delikte registriert, so waren es 2013 über 70 Straftaten, bei denen die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Tritten ermittelte. Wobei die Opfer nur in wenigen Fällen tödlich verletzt wurden, wie zuletzt 2013 am Rande des Tänzelfest-Jahrmarkts in Kaufbeuren.

Ein 37-jähriger Handwerker aus Ostdeutschland hatte damals einen 34 Jahre alten Familienvater ohne Grund mit so großer Wucht gegen die Schläfe geschlagen, dass die Hirnarterie riss und das Opfer an seinen inneren Blutungen starb. Der Täter wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.

Kurzzeitig bewusstlos

Mit deutlich leichteren Verletzungen kam ein 25-Jähriger davon, der am vergangenen Wochenende vor einer Diskothek in Kaufbeuren attackiert wurde. Er wurde von einem 29-Jährigen gegen den Kopf getreten, blieb aber nur kurzzeitig bewusstlos. Gegen den Täter ermittelt die Polizei nun wegen versuchter Tötung. Eine wirkliche Erklärung für diese gefährliche Entwicklung hat die Polizei nicht. Sicher ist nur eines: 'Diese Taten stehen fast immer in Zusammenhang mit sehr starkem Alkoholkonsum', sagt Sprecher Owsinski.

'In den vergangenen Jahren gab es nur drei Fälle, in denen bei Beschuldigten kein Alkohol im Spiel war.' Nicht selten wiesen die Täter, die meist zwischen 18 und 29 Jahre alt seien, Werte von weit über 1,5 Promille auf. 'In der Regel sind das keine Typen, die kaltblütig Dampf ablassen wollen', so Owsinski. Vielmehr liefen kleine Streitigkeiten aufgrund der alkoholbedingt verminderten Steuerfähigkeit aus dem Ruder. Auffällig ist zudem, dass der Streit häufig zu sehr später Stunde eskaliere – und zwar dort, wo sich viele Menschen aufhalten.

So sei der nächtliche Zapfenstreich in einer Disco oder in einem Festzelt immer besonders kritisch. 'Dann stehen plötzlich viele alkoholisierte Menschen auf engem Raum – da ist das Konfliktpotenzial einfach höher als sonst.'

'Mehr Lokale als Streifen'

Da die Polizei diese 'Hotspots' kenne, werfen Beamte laut Owsinski gerade am Wochenende vorsorglich einen Blick auf derlei neuralgische Punkte. 'Trotzdem können wir natürlich nicht überall sein. Es gibt nunmal mehr Lokale als Streifen.' Die Aufklärungsquote bei brutalen Gewaltattacken ist extrem hoch: Bei gefährlicher Körperverletzung liegt sie bei gut 80 Prozent, bei den sogenannten Straftaten gegen das Leben sogar bei über 95 Prozent. 'Hier kommt uns entgegen, dass es in den meisten Fällen Zeugen gibt', erläutert Owsinski.

Zudem sei bei den Bürgern der Wunsch, bei der Aufklärung solcher Straftaten mitzuhelfen, besonders hoch. Wird ein Opfer gegen den Kopf getreten, wird übrigens automatisch wegen 'versuchter Tötung' ermittelt, auch wenn das Opfer nicht schwerwiegend verletzt wurde – Konsequenz aus den fatalen Folgen, die solche Tritte haben können.

Autor:

Markus Raffler aus Kempten

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