Landratsämter
Schwarzbau kein Kavaliersdelikt

Einen vergleichbaren Fall von illegalem Bauboom gibt es nirgends in Bayern: seit 1933 sind im Wasenmoos - einem moorigen Waldgebiet westlich von Füssen - weit über 100 Schwarzbauten errichtet worden, vom Zaun bis zum Hauptwohnsitz. Bereits seit Jahrzehnten versucht das Ostallgäuer Landratsamt, dagegen vorzugehen. 2009 wurde schließlich ein Konzept erstellt, das den Bewohnern Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren bis zum Abriss ermöglicht. Eingewilligt haben bis heute jedoch nicht alle Bewohner. Derzeit verschickt die Behörde daher erste Abrissbescheide.

Auch die anderen Allgäuer Landkreise haben immer wieder mit Schwarzbauern zu kämpfen, allerdings in anderen Dimensionen: «So etwas wie im Wasenmoos gibt es bei uns nicht. Meist handelt es sich um Anbauten, Garagen oder Stadel, die zu groß gebaut oder anders als genehmigt genutzt werden», fasst Christian Baumann zusammen. Der Baujurist am Unterallgäuer Landratsamt in Mindelheim erklärt, dass die Zahl der Fälle im Unterallgäu zwar konstant, aber nicht alarmierend sei.

Zwei bis drei Fälle pro Jahr

Auch die Bürger im Oberallgäu sind laut Landratsamt-Sprecher Andreas Kaenders und Bauamtsleiter Herbert Liebl «sehr gesetzestreu». «Meist fallen bei uns zwei bis drei Fälle pro Jahr an», sagt Liebl. Der außergewöhnlichste der vergangenen Jahre werde derzeit vor dem Verwaltungsgericht verhandelt - der sogenannte «Haldenwanger Solarstadel».

«Es ist bisher wirklich bayernweit einmalig, dass ein Landwirt einen Stadel aufstellt, der offensichtlich keinen anderen Nutzen hat, als Solarkollektoren darauf zu installieren. Landwirtschaftlicher Nutzen Fehlanzeige», erzählt Liebl. «In diesem Fall blieb uns nach eingehender Prüfung aller Faktoren nichts anderes übrig als den Abriss anzuordnen». Üblicherweise komme man aber sogar den Schwarzbauern sehr entgegen, sagt Kaenders, besonders wenn es darum geht, die Baumaßnahmen im Nachhinein zu genehmigen.

Ordnungswidrigkeit: Bußgelder

Die Ordnungswidrigkeit, die mit dem illegalen Bauen begangen wurde, müsse aber trotzdem geahndet werden. Meist zahlt der Schwarzbauer ein Bußgeld, erklärt Robert Fischer, Leiter des Geschäftsbereichs Bauen und Umwelt am Landratsamt Lindau. «Die Höhe kann je nach Fall zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend Euro variieren», erklärt er. Dabei komme es beispielsweise auf die Größe des Schwarzbaus an oder auch auf den Vorsatz des Bürgers und seine nachträgliche Einsicht. Im Landkreis Lindau liegt die Zahl der Schwarzbauten laut Fischer mit maximal zehn pro Jahr ebenfalls im Rahmen.

Warum der ein oder andere Allgäuer überhaupt versucht, seine Baupläne ohne Genehmigung zu realisieren, können sich die Männer von den Kreisbehörden nicht erklären. Baumann glaubt zu wissen, dass die meisten sich bewusst darüber sind «dass das, was sie machen, einen kriminellen Touch hat. Viele denken fälschlicherweise, das sei ein Kavaliersdelikt.» Aufgedeckt werden fast alle Fälle von Schwarzbau, sind sich die Experten sicher. Zum einen gebe es dafür die Baukontrolleure. Zum anderen seien auch die Gemeinden selbst sehr aufmerksam. Einen großen Teil macht aber laut Kaenders eine dritte Gruppe von Informanten aus: Nämlich «die Nachbarn, die immer genau schauen, was nebenan los ist, und gerne mal anonym den ungeliebten Hausnachbarn hinhängen».

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