Schwangere Katze kostet 1002 Euro

Von Benjamin Schäling | Marktoberdorf Es ist noch nicht allzu lang her, da bekam Ruderatshofens Bürgermeister Johann Stich eine Rechnung an seine Gemeinde, die ihn 'vom Hocker gehauen' hat, wie er sagt. Genau 1002 Euro hatte das Marktoberdorfer Tierheim seiner Kommune in Rechnung gestellt. Für die Unterbringung und Versorgung einer Katze, die aus dem Bereich Ruderatshofen ins Tierheim gebracht wurde. Dort hatte die Katze vier Junge zur Welt gebracht.

Warum sollte seine Gemeinde so viel Geld für fünf Katzen zahlen, fragt Stich. Ohnehin könnte dann 'jeder Tiere einfach abgeben' und die Gemeinde müsse zahlen, so Stich weiter. Er selbst sei 'alles andere als ein Gegner des Tierheims', allerdings müsse alles in einer gewissen Verhältnismäßigkeit sein. 'Ich will die Bedeutung des Heims nicht in Frage stellen, doch es muss geklärt werden, was abgerechnet werden darf und was nicht', betont Stich.

Wie Ralf Kinkel vom Landratsamt Ostallgäu erläutert, gibt es drei Gruppen von Tieren, die im Tierheim eine neue Heimat finden. Zum einen die Fundtiere. Wenn diese im Tierheim abgegeben werden, hat die Gemeinde, auf deren Gebiet das Tier gefunden wurde, für die Versorgung des Tieres aufzukommen. So geschehen im Fall der '1002-Euro-Katze'. Zum Zweiten seien da die herrenlosen Tiere, nach denen niemand sucht. Dies ist laut Kinkel ein 'umstrittener Bereich', denn eigentlich müsse niemand für sie aufkommen. Der Tierschutzverein jedoch definiert dies als seinen Aufgabenbereich und kümmert sich um diese Tiere. Drittens noch die Gruppe von Tieren, die dem Besitzer von der Tierschutzbehörde abgenommen werden, beispielsweise wegen Verwahrlosung.

Momentan ist es nach Angaben von Stich und Kinkel so, dass die meisten Gemeinden die Rechnungen pro Tier einzeln bekommen. Die Stadt Marktoberdorf dagegen zahlt dem Tierheim eine jährliche Pauschale, die Verpflegung, Unterbringung und auch medizinische Versorgung abdeckt. Für Kinkel hat dies Vorteile: 'Für die Stadt sind die Kosten kalkulierbar und das Tierheim muss nicht ausstreiten, was abgerechnet werden darf und was nicht', meint der Jurist.

Über Erhöhung verhandelt

Das Tierheim jedoch könne seine Kosten mit dem jetzigen Betrag nicht decken, wie Heinz Krämer sagt. Deshalb werde mit der Stadt gerade über eine Erhöhung verhandelt. Auch fordert der Tierschützer die Gemeinden auf, sich an die Pauschalregelung anzuschließen: 'Das würde uns und den Gemeinden jede Menge bürokratischen Papierkram ersparen.' Ohnehin hätte er eine einheitliche Regelung schon vor längerer Zeit gefordert.

Ralf Kinkel bestätigt, dass das Thema bei der nächsten Bürgermeisterversammlung aufgegriffen und besprochen werde. Den Klärungsbedarf sehen offenbar alle beteiligten Parteien.

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