Interview
Schulamtsdirektor Thomas Novy über Vorteile und Probleme der neuen Mittelschule

Im vergangenen Schuljahr wurden aus den Hauptschulen in der Region Mittelschulen. Im Gespräch zieht Schulamtsdirektor Thomas Novy eine erste Bilanz der Umwandlung und spricht über die Vorteile der Mittelschule und Probleme, genügend Lehrer für die höheren Klassen zu bekommen.

Was unterscheidet die neuen Mittelschulen von den Hauptschulen?

Thomas Novy: Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist die vertiefte Berufsorientierung. Wir haben jetzt die Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales. Zudem können die Schüler selbstständig Projekte umsetzen - samt Vorbereitung, Dokumentation und Durchführung. Hinzu kommt eine vertiefte Kooperation mit externen Partnern wie Berufsschule, Unternehmen und der Agentur für Arbeit.

Wie nehmen Unternehmen das Kooperationsangebot an?

Novy: Mehr als gut. Die Betriebe kommen sogar auf uns zu, was früher bei der Hauptschule selten der Fall war. Die Unternehmen suchen händeringend Mittelschüler und wollen, dass sie bei ihnen Praktika machen. Deswegen ist die Wirtschaft auch bereit, zu investieren.

Sind die Entfernungen innerhalb der Schulverbünde ein Problem?

Novy: Teilweise ja. Doch es trifft vor allem M-Schüler; und einem Siebtklässler sind die Entfernungen durchaus zuzumuten. Die Regelzweige können weiter in allen Schulen angeboten werden, nur die M-Zweige konzentrieren sich meist auf eine Schule im Verbund.

Man muss sich also damit abfinden, dass es in vielen Schulen keinen M-Zweig mehr geben wird?

Novy: Das gibt uns die demografische Entwicklung vor. Man darf ja nicht vergessen, dass die Schülerzahl bis 2015/16 fast um ein Drittel zurückgehen wird. Das hat Folgen: Wo es nicht genügend Schüler gibt, können wir keinen M-Zug anbieten. Jedoch werden alle vorhandenen M-Klassen gehalten und zum Teil sogar ausgebaut: Buchenberg und Altusried mit zwei M7 Klassen und einem neu aufgebauten M-Zug in Oberstdorf.

Können die Verbünde kleineren Schulen das Überleben sichern?

Novy: Da sehe ich kein Problem. Aber es wird eben nur einen Regel- und keinen M-Zug geben. Ist die Schülerzahl zu klein, kann das auch innerhalb des Schulverbundes ausgeglichen werden.

Droht Schulverbünden wie Oy-Pfronten, bei denen die Schülerzahlen massiv zurückgehen, die Auflösung?

Novy: Es ist wegen der Schülerzahl sicher ein Fragezeichen zu setzen, ob dieser Schulverbund so Bestand haben wird. Es geht aber nur um den Schulverbund, nicht um die Schule. Die bleibt mit Klassen von 1 bis 9 in Oy. Positive Auswirkungen erhoffen wir uns durch den Start der M7 in Oy.

Sind länderübergreifende Schulverbünde - wie vielleicht zwischen Weitnau und Isny - denkbar?

Novy: Das wäre durchaus vorstellbar allerdings muss beraten werden, ob es sinnvoll ist. Den Verhandlungen sind keine Grenzen gesetzt, egal ob zwischen Landkreisen oder Bundesländern.

Wo sehen Sie im Bereich der Mittelschule noch Probleme?

Novy: Die Schulverbünde sind für mich ein Erfolgsmodell. Nur: Wegen des schlechten Images der Hauptschule - über Jahre hinweg - blieb der Lehrernachwuchs aus. Vor allem in den Jahrgangsstufen 7 bis 10. Den Bereich der fünften und sechsten Klassen konnten wir mit Grundschullehrern abdecken, die das hervorragend machen. Doch die Versorgung der höheren Klassen ist im Oberallgäu ein Problem und die Pensionierungswelle bei den Lehrern läuft jetzt erst richtig an. Ein Lichtblick ist, dass die Zahl der Referendare steigt.

In Waltenhofen gab es anfangs Vorbehalte gegen einen Verbund mit Buchenberg und Weitnau. Wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt?

Novy: Wir können in Waltenhofen keine M-Klasse einrichten - auch weil viele Schüler nach Kempten gehen. Es gab aber bei der Einführung des Schulverbundes keine Probleme, als die Schülerzahlen klar auf dem Tisch lagen. Der Verbund hat sich auch so bewährt.

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