Moschee
Schüler besuchen Muslime und erfahren viel über den Islam

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Am Ende war es für die Schüler der Fachakademie für Sozialpädagogik ein richtiger Aha-Effekt. Eva Stamm brachte es auf den Punkt: «Eigentlich sind wir gar nicht so verschieden.» Was diese Erkenntnis ausgelöst hatte, war am gestrigen Donnerstag eine eineinhalbstündige Führung durch die Moschee in der Füssener Straße. Mustafa Asik, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Kempten, und Imam Beyhan Tas geleiteten die 20-köpfige Schülergruppe durchs Haus und beantworteten bereitwillig Fragen. Immer wieder nehmen die Muslime Anfragen vorwiegend von Schulen gerne an, um sich und ihre Religion vorzustellen.

Können auch Frauen Imam werden? Müssen alle Frauen beim Beten ein Kopftuch tragen? Wie wird man überhaupt Vorbeter? Was ist, wenn man nach der rituellen Waschung, die vor jedem Gebet vorgeschrieben ist, noch einmal auf die Toilette muss? Kommt ein Muslim in die Hölle, wenn er an einem Tag nicht alle fünf Pflichtgebete verrichtet hat? Bei der Führung durch Gemeinschafts- und Unterrichtsräume, durch Wasch- und Gebetsstätten der Moschee tat sich für die jungen Leute so manche Frage auf.

Mit vielen der Antworten, die mit Vorurteilen ordentlich aufräumten, hätten die Schüler dann aber doch nicht gerechnet. Beispielsweise, was die Ausübung des Glaubens angeht. «Ich dachte immer, das ist alles genau festgelegt und total streng», meinte beispielsweise Julia Schnaubelt. Umso erstaunter war sie deshalb, zu erfahren, dass auch der Islam kleine Nachlässigkeiten verzeiht.

Etwa, wenn eben besagte fünf Pflichtgebete einmal nicht eingehalten werden können. «Das kann man dann einfach nachholen», meinte Mustafa Asik und erklärte schmunzelnd, dass beispielsweise auch das Einhalten des Ramadans - des 30-tägigen Fastens zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang - bei manchen Muslimen Auslegungssache sei: «Da sagen dann manche: Schnell, mach die Fenster dicht, es ist schon dunkel draußen.»

Wie in anderen Religionen, erfuhren die Schüler, seien Auslegung und Glaube eine Sache «zwischen dem eigenen Herzen und Gott». Und schließlich unterscheide sich das Christentum mit seinen Säulen Glaube, Hoffnung und Liebe von denen des Islam - Liebe, Bruderschaft und Frieden - nicht wirklich. Ganz zu schweigen davon, dass Thora und Bibel für Muslime genauso heilige Bücher seien wie der Koran.

«Nur», so Asik, «dass die Bibel für uns die Grundlage und der Koran die Vollendung ist.»

Angemessen beeindruckt zeigten sich die angehenden Sozialpädagogen vom Gebetsraum der Muslime, dessen Teppiche niemals mit Schuhen betreten werden dürfen. Dort gab Imam Beyhan Tas den jungen Menschen quasi eine Gebets-Privatvorführung: Stimmgewaltig demonstrierte er, wie der Muezzin mit denselben Worten, aber in unterschiedlichen Gesängen morgens und abends zum Gebet ruft.

Nach einer abschließenden Tasse türkischen Tees gabs von den Schülern ein fröhliches «Güle güle» (Auf Wiedersehen) für den Imam. Und vielleicht sieht man sich tatsächlich einmal wieder. Denn die Moschee steht für alle offen. Das ist es auch, was Katrin Schild besonders beeindruckte. Ihr Fazit: «Voll interessant wars.» Und eben gar nicht so anders als gedacht.

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