Ebenhofen
Schreiben auf der Schiefertafel

Kinder, die auf Schiefertafeln alte deutsche Schrift übten oder eine historische Drechselmaschine bedienten: Bei der Museumsnacht des Baschtlehauses in Ebenhofen war viel geboten. In der Ausstellung über die Schulentwicklung der Gemeinde wiederum entdeckten sich einige bejahrtere Besucher auf alten Klassenfotos wieder: Alte Geschichten wurden ins Gedächtnis gerufen, während die Kinder an einem Such- und Fragespiel teilnahmen.

Begeistert lernten zahlreiche kleine Besucher das frühere Schulleben kennen: Dem 13-jährigen Florian Hartmann, der wie viele andere auf einer historischen Schulbank Platz nahm, machte der Umgang mit seiner Schiefertafel Spaß: «Auf den Tafeln kann man gut malen», stellte er fest. Die gespielt strenge «Lehrkraft» vom Förderverein Baschtlehaus, Jennifer Brandstätter, sah Florians Comicfiguren allerdings nicht gerne auf der Schiefertafel. Sie zeigte ihm ihren Rohrstock - natürlich nur als Ausstellungsstück - und erzählte ihm und anderen staunenden Kindern von der Prügelstrafe, die früher alltäglich war.

Im unteren Stockwerk zeigte der zwölfjährige Lukas Lohmüller den Besuchern eine alte, mit dem Fuß zu tretende Drechselmaschine. Der ein oder andere durfte das Drechseln sogar ausprobieren. So meinte der neunjährige Adrian Stechele, das Drechseln sei leicht, man müsse lediglich mit dem Fuß treten. Allerdings könne er sich nicht vorstellen, eine solch alte Maschine in der heutigen Zeit wirklich zu verwenden.

Im vollbesetzten Pfarrstadel fand später ein Vortrag über die Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert statt. Heinrich Maul, der Vorsitzende des Fördervereins Baschtlehaus, berichtete von der armen Ausgangslage der Auswanderer in Europa. Nicht zuletzt die Umstellung von Flachs auf Baumwolle führte dazu. Die Reedereien schickten Agenten in ärmliche Gegenden, um Auswanderer anzuwerben.

Seuchen und brennende Schiffe

Fast zehn Prozent der Bevölkerung aus dem Allgäu sind emigriert. Aus der heutigen Gemeinde Biessenhofen gingen von 1832 bis 1897 51 Menschen nach Amerika. Maul machte mit Fotografien, Karten und Handzeichnungen deren beschwerlichen Weg zum Hafen deutlich. Er zeigte die miserablen Zustände, die auf den Schiffen herrschten. Die Überfahrt dauerte zwischen 40 und 90 Tage, die Menschen litten Hunger, das Wasser war knapp, die Schiffe überfüllt, Seuchen breiteten sich aus und Schiffe gerieten in Brand. Maul las Reiseberichte von Auswanderern aus der Region vor, die die Zustände verdeutlichen.

Anschließend spielte die Musikkapelle Ebenhofen im neu ausgebauten Dachraum des Baschtlehauses. Der Förderverein sorgte fürs leibliche Wohl. Bis spät abends war Interesse an der Museumsnacht da: So drückten noch um Mitternacht acht Kinder die alten Schulbänke.

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