Schrecken im Blick der Soldaten

Von Ingrid Grohe | Lindenberg Die Fastenzeit nutzen Christen für die Vorbereitung auf Ostern. Doch vor Ostern, vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In 14 Stationen stellen Bildnisse in katholischen Kirchen die Passion dar - von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung - und laden Gläubige zu Gebet und Meditation ein. In den kommenden Wochen stellen wir verschiedene Kreuzwege in Westallgäuer Kirchen vor.

Die 14 volkstümlichen Bilder des Kreuzweges in der Lindenberger Aureliuskirche kamen im Jahr 1815 nach Lindenberg. Pfarrer Hauber kaufte sie für 50 Gulden aus der Pfarrkirche Weiler, ist einem Kirchenführer zu entnehmen. Welcher Künstler den Kreuzweg gemalt hat, steht dort nicht geschrieben.

Die Gemälde in der Aureliuskirche in Augenschein zu nehmen, fällt gar nicht leicht. Sie hängen weit weg vom Mittelgang, der Betrachter muss durch die Bankreihen gehen, um sich den einzelnen Darstellungen zu nähern. Zudem reflektiert die Oberfläche der vermutlich in Öl gemalten Bilder das durch die Kirchenfenster einfallende Licht.

Dabei sind die Darstellungen durchaus ausdrucksstark: Ein müder, geschundener Christus durchlebt sein Leiden, der Stamm auf seinen Schultern drückt ihn nieder - dieser Balken dominiert jede Station. Die einzelnen Szenen hat der Künstler vor einem reduzierten Hintergrund angesiedelt, der im Wesentlichen aus mächtigen Mauern römischer Bauwerke oder aus einem dramatischen Himmel mit abendroten Wolken besteht. In den meisten Bildern fallen zwei bis drei Zuschauer auf, oft römische Soldaten, deren Gesichter gleichzeitig Schrecken und Neugierde widerspiegeln.

Nur noch Einsamkeit

Jesu Blick ist auf fast allen Bildern gesenkt. Nur bei der Begegnung mit Veronika (6. Station) hebt er seine müden Lider, und die Augen sind zu sehen. Ab der 7. Station ('Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz') steigert der Maler die Dramatik in seinen Bildern: Die Brutalität der römischen Soldaten stellt er der Hilflosigkeit des gestrauchelten Jesus gegenüber. Die 10. Station ('Jesus wird seiner Kleider beraubt') vermittelt nur noch Einsamkeit: Da sind keine Häuser mehr, auch keine Zuschauer. Nur der Gequälte und seine Peiniger.

Sehr ergreifend auch die letzten beiden Kreuzwegstationen. Die Darstellung Jesu zeigt hier ganz deutlich den Körper eines Toten. Doch auch den Leichnam krönt ein Strahlenkranz.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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