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Schneeballsystem im Allgäu: Drahtzieher und Helferin angeklagt

Als die Welt der Firma Marketing Terminal noch in Ordnung war, da haben sie in einem Hotel im Oberallgäu Partys gefeiert. Wie berauscht waren sie 2013, hunderte Anleger, denn es gab viel zu gewinnen. Verdächtig viel. Sagt einer, der damals dabei war. <%IMG id='1004252' title='Symbolbild Geld'%>

Bis zu 200 Prozent wieder raus durch Online-Werbung, so das Versprechen. Doch der schöne Schein von Marketing Terminal trog. Wie mehrfach berichtet, soll es sich um ein betrügerisches Schneeball-System gehandelt haben, ausgezahlt wurden nicht etwa Gewinne, sondern das Geld späterer Anleger. So lange, bis das System zusammenbrach. Nun soll sich der mutmaßliche Drahtzieher, ein 46-Jähriger aus dem Oberallgäu, vor Gericht verantworten.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen hat Anklage erhoben wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 4.330 Fällen und wegen Steuerhinterziehung. Auch seine 22-jährige leitende Angestellte soll sich wegen Steuerhinterziehung verantworten, in fünf Fällen, sagt der Augsburger Staatsanwaltschaftssprecher Matthias Nickolai.

Ob und wann es zum Prozess kommt, darüber entscheidet nun die Wirtschaftsstrafkammer des Augsburger Landgerichts. Parallel fand gestern in München eine Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht München statt, bestätigte Insolvenzverwalter Ulrich Cramer von der Kanzlei Flöther & Wissing. Bleibt die Frage: Wo blieb das Geld der Firma?

Manche sagen, es sei nie verschwunden. Noch immer schlummere viel Geld auf Konten im Allgäu, das eigentlich den Anlegern des Schneeballsystems gehöre. Es geht angeblich um einige Millionen Euro, die bislang nicht abgerufen worden seien. Die Rede ist auch von teuren Autos, in die die Drahtzieher investiert haben sollen.

Doch Staatsanwaltschaften und Kanzleien haben die anfänglichen Zahlen korrigiert, von gut 5000 Opfern ist nun die Rede, nicht mehr von 9000. Von vielen 'Karteileichen' spricht der Insolvenzverwalter. 34 Millionen sollen insgesamt geflossen sein. Wie wurden die Opfer geködert? Wer verstehen will, konnte das auch nachlesen, denn die Internetseite der Firma war noch vor einigen Monaten online. 'Wir blicken auf eine langjährige Erfahrung im Bereich Marketing und Werbung zurück Daher haben wir eine Innovation auf den Markt gebracht', hieß es da. Wer 'Geschäftspartner' werde, könne an jedem Klick auf Internetwerbung Geld verdienen.

Als Geschäftssitz gab die Internetseite eine noble Adresse an, die Münchener Maximilianstraße. Doch gelenkt, so hieß es stets von den Behörden, wurde die Firma vom Oberallgäu aus. Der mutmaßliche Drahtzieher soll dort gewohnt haben, mitten im Touristenidyll von Weitnau, 5126 Einwohner. Nicht weit entfernt sollen die Anleger des Schneeball-Systems gefeiert haben.

Am 7. Oktober 2014 zerplatzte der Traum vom Geld endgültig. Das Landgericht Kempten stellte einen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Drahtzieher aus, er sitzt seither im Gefängnis. Nun ist er angeklagt.

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