Memmingen
«Schnapsidee» wird Wirklichkeit

Die letzten Kisten sind gepackt, der orangefarbene Kleinbus beladen und die Freunde verabschiedet: Morgen gegen 14 Uhr starten Helga Negele und Jürgen Dommer aus Memmingen in ein großes Abenteuer. Ihr Ziel: auf dem Landweg nach Australien (siehe Grafik).

«Vor etwa eineinhalb Jahren hatte ich diese Schnapsidee», erzählt Dommer. «Ich möchte einfach dem Alltagstrott entfliehen und meine Freiheit genießen», so der 42-Jährige. Eines Abends sei er nach Hause gekommen und habe gesagt: «Wir setzen uns jetzt in den Bus und machen eine Weltreise.» Seine Freundin war sofort begeistert. In den folgenden Monaten kündigten die Angestellten einer Memminger Firma ihre Jobs, beendeten ihr Mietverhältnis und stürzten sich in die Reisevorbereitungen. Visa mussten beantragt, Bankangelegenheiten erledigt und Impfungen vorgenommen werden.

Bei einer Probefahrt in die Schweiz gerieten die Reisepläne aber ins Stocken: «Wir kamen von der Straße ab und rutschten in einen Graben», erinnert sich Negele. Am Bus entstand Totalschaden. Trotzdem wollte Dommer seinen großen Traum nicht aufgeben. In stundenlanger Arbeit reparierte er das 29 Jahre alte Fahrzeug. Heute steht das Schmuckstück reisefertig im Hof der Weltenbummler - ausgestattet mit Vakuumtoilette, Trinkwasseraufbereitung, Solarzellen und Außendusche. Zwei Quadratmeter Wohnfläche bietet das «Schneckenhaus», wie Dommer sein Gefährt liebevoll nennt. Platz für Gepäck gibt es nur wenig. Wichtige Utensilien sind zum Beispiel Autoersatzteile, Benzinkanister, Landkarten, Reiseführer, Dokumente und Medikamente.

«Kleidung werden wir nur wenig mitnehmen, denn die können wir auf der Reise günstig kaufen», sagt Negele. Außerdem habe sie im Bus nur einen kleinen Kleiderschrank zur Verfügung. Für medizinische Notfälle haben Negele und Dommer einen Nähkurs gemacht - nicht mit Stoffen, sondern an einer Schweinshaxe. «Wir haben geübt, damit wir Wunden selbst nähen können», sagt Dommer. Sterile Spritzen, Kanülen und eine kleine Schatztruhe mit Gastgeschenken wie Strumpfhosen, Malstiften und Kuscheltieren haben die Reisenden ebenfalls im Gepäck.

Mehrere Memminger Sponsoren unterstützen das Paar bei ihrer Reise. Darunter die Firma Gefro, die zudem 1500 Euro für gute Zwecke gespendet hat. «Mit dem Geld wollen wir auf unserer Reise Reis, Schul- und Spielsachen kaufen und an Bedürftige und Waisenhäuser verteilen», betont Negele.

Ein Jahr werden die Memminger durch die Welt reisen. «Vielleicht bleiben wir auch länger fort», so Dommer. Denn man wisse ja nie, was kommt. Ihre Möbel und andere Habseligkeiten hat das Paar vorübergehend bei Verwandten eingelagert. «Wir haben schon vor, wieder zurückzukommen, denn uns gefällt das Allgäu», sagt Negele. Aber soweit möchte sie jetzt noch nicht vorausdenken.

Reisebericht Die Weltenbummler berichten täglich auf ihrer Internetseite

www.orangetrotter.de

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