Allgäu
Schlichten will gelernt sein

Marktoberdorf/Unterthingau Schüler setzen sich freiwillig für Mitschüler ein: Damit das Schulleben reibungslos über die Bühne gehen kann, gibt es an der Hauptschule in Unterthingau seit dem Jahr 2001 Streitschlichter. Das sind Schüler, die eingreifen, wenn ihre Mitschüler sich in die Haare kriegen. Auch in Marktoberdorf werden derzeit Streitschlichter ausgebildet.

Statt Strafarbeit oder Verweise gibt es Gespräche und Verträge zwischen den Streithähnen. Was in Unterthingau so erfolgreich ist, soll nun nach einer Pause auch wieder an der Hauptschule Marktoberdorf und demnächst erstmals in Obergünzburg eingeführt werden. In Biessenhofen gibt es derzeit keine «Konfliktlotsen» mehr. In der Vergangenheit, so Rektor Werner Obermeier, sei das Angebot von den Schülern nicht angenommen worden. Mit Hilfe der neuen Schulsozialarbeiterin soll jedoch künftig ein neuer Anlauf gewagt werden.

Unterthingaus Rektor Ottmar Hengge findet es wichtig, dass die Schüler «ihre kleinen Streitigkeiten selbst lösen und gleichzeitig Verantwortung übernehmen.» Ganz konkret wurde die Ausbildung jüngst für Unterthingauer Konfliktlotsen. Bereits zum vierten Mal wurde für sie neben den üblichen Unterrichtsstunden eine einwöchige Ausbildung angeboten.

Mit 17 Kindern aus den 6. und 7. Klassen ging es in das Jugendhaus Eschers des Kreisjugendringes. Drei Mädchen aus der 9. Klasse, die die Gruppe begleiteten, unterstützten die Kinder bei den verschiedenen Übungen. Sie lernten, wie man eine Schlichtung beginnt und den Streitenden Zuversicht vermittelt, dass das nun folgende Gespräch für sie nur zum Vorteil sein kann.

Jedes Wort ist wichtig

In der nächsten Phase wurde aktives Zuhören geübt: Die Aussagen der Kontrahenten werden dabei von den Streitschlichtern mit eigenen Worten wiederholt. Damit wird gezeigt, dass jedes Wort und der Gesprächspartner ernst genommen werden. Die Mediatoren lernen, auf Mimik, Gestik, Stimme und Körperhaltung zu achten.

Danach werden die beiden Kontrahenten aufgefordert, schriftlich nach Lösungsmöglichkeiten für ihr Problem zu suchen, das dann die Streitschlichter wertungslos kommentieren. Ist die Schlichtung erfolgreich, wird ein Vertrag aufgesetzt, der von allen Parteien unterschrieben werden muss.

Eine Woche später wird bei einem erneuten Zusammentreffen überprüft, ob das Abkommen eingehalten und der Streit tatsächlich als erledigt betrachtet werden kann.

Im Rahmen einer Arbeitsgruppe üben derzeit auch an der Marktoberdorfer Hauptschule wieder einige Schülerinnen und Schüler dieses Können unter Anleitung zweier Lehrerinnen ein. Ab September sollen sie ihre Aufgabe ausüben, sagt Schulsozialarbeiterin Christine Mayer.

Sie findet dieses Angebot in der Schule wichtig, weil «junge Leute auf junge Leute» hören und Konflikte so gelöst werden können, ohne größere Hemmschwellen überwinden zu müssen.

Bei der Schulsozialarbeit angesiedelt werden soll künftig die Einführung von Streitschlichtern auch an der Hauptschule Obergünzburg. Rektor Bernhard Marz sieht darin für Schüler eine Möglichkeit, ihre Sozialkompetenz zu erweitern. Nachdem die Schule mit Sonja Hörl seit diesem Schuljahr mit einer Schulsozialarbeiterin ausgestattet ist, sieht er nun erstmals eine Möglichkeit, auch Konfliktlosten zu schulen.

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