Memmingen / Erkheim
Schlauer Kopf und schnelle Beine

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«Es läuft gut, ich bin zufrieden», sagt Katharina Heinle (18) und lacht. Sie lachte oft am gestrigen Donnerstag und hatte auch allen Grund dazu - kurz zuvor wurde ihr die Zahnspange, die sie «etwa vier Jahre» tragen musste, entfernt. Im Anschluss besuchte sie mit ihrem Vater Herbert die Redaktion der Memminger Zeitung.

Bei dem Gespräch ging es unter anderem um die jüngsten Wettkämpfe der 800-Meter-Läuferin, bei denen die Sportlerin des TV Memmingen ihre große Klasse unter Beweis gestellt hat. Beim Meeting «Weltklasse im Saarland» in Rehlingen lief Heinle erstmals in dieser Saison die zwei Stadionrunden gegen internationale Konkurrenz und wurde in 2:08,64 Minuten Siebte. Noch schneller war sie vor wenigen Tagen in Mannheim, wo sie in einer Zeit von 2:07,28 auf Rang vier lief.

Dorthin war sie vom Deutschen Leichtathletikverband (DLV) zur «DLV-Juniorengala» eingeladen worden. Dabei waren einige der besten Nachwuchs-Leichtathleten Europas - rund 400 Athleten aus 18 Nationen. Es ging um die Tickets für die Junioren-Europameisterschaften U20 in Novi Sad.

Heinle ließ sich von der europäische Konkurrenz nicht abschütteln und wurde am Ende Vierte. Am Ende musste sie sich nur der Berlinerin Jessica Zeitler, der Schwedin Lovisa Lindh und der Schweizerin Andrina Schläpfer beugen. Heinle lief eine Zeit von 2:07,28 und verfehlte nur um wenige Zehntelsekunden die vom DLV für die U20-EM vorgegebene Norm für die Qualifikation (2:06,50).

«Nicht abschütteln lassen», das ist ein Motto der jungen Frau - «und wenn man danach noch sprinten kann, ist es natürlich noch besser.» Und Heinle kann sprinten. Woher sie das Talent hat, vermag Vater Herbert - in den 70er- und 80er-Jahren Mitglied einer großartigen Sprinter-Garde des TVM - zwar nicht zu sagen: «aber die genetischen Voraussetzungen sind wohl nicht schlecht.» Groß herausstellen möchte Heinle dies nicht: «Ich mische mich als Vater nicht ein, davon halte ich nichts. Katharinas Trainerin Roswitha Bruscha macht das sehr gut.»

Darüber hinaus wird Heinle seit geraumer Zeit im deutschen C-Kader sportlich gefördert, was ihr «einiges gebracht» hat. Häufig wurde sie in der Vergangenheit auf eher untypische Strecken wie etwa die 300 Meter geschickt, was ihr aber Spaß machte. «Es tut gut, ab und zu eine völlig andere Distanz zu laufen, das macht den Kopf frei.» Und die Beine flink, könnte man anfügen, denn über 400 Meter hat sie heuer schon einen großen Erfolg verbucht: Beim ersten 400-Meter-Lauf der Saison qualifizierte sie sich für die Deutsche Jugendmeisterschaft. Ihre Zeit bei der Allgäuer Meisterschaft in Illertissen - 56,54 Sekunden. Zeitvorgaben sind Heinle eher ein Gräuel.

Aus diesem Grund will sie die Frage, welches Steigerungspotenzial über 800 Meter in naher Zukunft möglich sei, nicht beantworten: «Ich kann und will nicht vorhersagen, was ich vielleicht für Zeiten laufen kann. Das kann man nicht planen - da muss alles passen. Ich wäre zufrieden, wenn ich meine Bestzeit verbessern kann. Sollte es für die EM reichen, freu ich mich, wenn nicht - gar nicht schlimm.» Heinles persönliche Bestzeit über 800 Meter datiert vom 22. Juni 2008 - in 2:07,12 lief sie Allgäuer Jugendrekord. Zum Vergleich: Die beste Zeit bei der weiblichen Jugend 2009 liegt bei 2:04,14, die Bestmarke der mehrfachen Deutschen Meisterin Monika Merl (29) steht bei 2:00,16.

Den deutschen Jugendrekord hält Hildegard Ulrich (Erfurt), die die zwei Stadionrunden 1978 in 1:57,45 sprintete. Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) zweifelt Zeiten wie diese aber offiziell wegen Verstöße gegen das Antidopinggesetz an (siehe Infokasten «Ewige Bestenliste» sowie Präambel des DLV).

Mit dem Thema Doping ist Heinle ebenfalls schon konfrontiert worden. So verteilen die Verbände zum Beispiel regelmäßig Info-Blätter. Darüber hinaus muss sie sich persönlich bei der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschland (NADA) abmelden, wenn sie etwa für ein paar Tage mit dem bayerischen oder deutschen Verband bei einem Lehrgang unterwegs ist. «Außerdem muss man eigentlich jeden Tag damit rechnen, dass man getestet wird», sagt die Läuferin.

Die endgültige Vergabe der Tickets für die EM findet übrigens nach den nationalen Juniorenmeisterschaften in Göttingen (27./28. Juni) statt. Ob Heinle dort starten wird, ist offen - schulische und organisatorische Gründe sprechen dagegen. Herbert Heinle: «Wir haben aber vorsichtshalber gemeldet.» Ihren nächsten Versuch, die Norm von 2:06,50 zu erfüllen, unternimmt sie in einer Woche in Biberach. Das Motto der Veranstaltung («Weltklasse in Biberach») macht deutlich, welchen sportlichen Weg Katharina Heinle eingeschlagen hat.

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