Schlafsack mit Lokalpatriotismus sucht Unterstützer

Marktoberdorf/Ostallgäu | dec | Über 200 Schlafsäcke in gut einem Jahr sind teuer. 'Wir können das Projekt nicht mehr alleine fortführen', sagt Dr. Karl Renner, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Krankenhauses Marktoberdorf. Um möglichst viele werdende Mütter in die Klinik zu locken und so die Geburtenabteilung dort zu retten, schenkt der Verein seit Dezember 2006 jedem Neugeborenen, das dort zur Welt kommt, einen speziellen Schlafsack, der eine sichere Schlafposition ermöglicht.

Allein im Jahr 2007 wurden so 193 Babys (2006 waren es 198) warm und sicher gebettet. Für das neue Jahr eröffnet die kleine Verena Marta Merkle die Geburtenstatistik. Sie kam am 1. Januar um 16.26 Uhr in Marktoberdorf zur Welt. Auch sie bekommt einen der Schlafsäcke, die ihre Mutter Sabine Münsterer 'als wirklich praktisch' beschreibt.

Rund 4800 Euro kostete das Schlafsackprojekt den Förderverein bisher. Finanziert wurde es laut Renner zum einen aus den Beiträgen der 88 Mitglieder. Zu diesen 20 Euro pro Person und Jahr kamen Spenden. Langsam jedoch wird laut Renner das Geld knapp. 'Wir sind auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen', sagt er.

Dass diese Unterstützung richtig angelegt ist, verdeutlicht er anhand von Zahlen: 'Allein für Januar haben sich bereits 25 Mütter angemeldet, die in Marktoberdorf entbinden wollen.' Die Schlafsäcke hätten eine hohe Akzeptanz. 'Für etwa zehn Prozent der werdenden Mütter geben sie den Ausschlag, ins Marktoberdorfer Krankenhaus zu kommen', schätzt Renner. In den vergangenen Monaten habe es zweimal Lieferschwierigkeiten gegeben. Etliche Mütter seien daraufhin nach ihrer Entlassung extra nochmal ins Krankenhaus gekommen, um sich einen Schlafsack abzuholen.

Station nach wie vor existent

All das diene letztlich dazu, die Geburtenabteilung in Marktoberdorf zu halten. Und die Werbeaktion ist laut Renner nach wie vor wichtig, denn es gebe immer noch Menschen, die glaubten, die Entbindungsstation existiere schon gar nicht mehr in der Klinik.

Der Schlafsack aber ist mehr als ein Lockmittel, denn er ist kein gewöhnlicher Schlafsack. Er sorgt dafür, dass der Säugling auf dem Rücken liegt und ermöglicht so eine sichere Schlafposition, die vor dem plötzlichen Kindestod schützen soll. Laut Statistiken stirbt daran fast täglich ein Baby in Deutschland. Überwärmung begünstigt dieses Risiko ebenfalls. Auch davor bewahrt der Schlafsack. Unter anderem deshalb, weil keine Decken und Kissen nötig sind, unter die das Baby rutschen kann und die es überhitzen. Mit dem aufgenähten Logo 'Ich Magoberdorf' beweisen der Schlafsack oder besser seine Initiatoren zudem Lokalpatriotismus.

Die ursprüngliche Idee für die Schlafsäcke stammt übrigens von Dr. Irene Epple-Waigel, die sich dafür einsetzte, dass alle Neugeborenen-Stationen im Ostallgäu damit ausgestattet wurden. 'Allerdings gingen sie in den großen Krankenhauswaschmaschinen schnell kaputt', sagt Renner. Auch deshalb entschied sich die Marktoberdorfer Klinik dafür, jedes Kind einzeln mit einem Schlafsack auszustatten, den es mit nach Hause nehmen darf.

Spenden sind zu richten an die Freunde der Klinik Marktoberdorf, Bankleitzahl 733 500 00, Konto 610 648 297, bei der Sparkasse Allgäu

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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