Instrument
Schimmelige Holzelemente, poröse Dichtungen: Organist der Kemptener Basilika berichtet über den Zustand der drei Orgeln

Tausende Orgelpfeifen reihen sich auf einer Breite von etwa zwölf Metern auf der Empore der Basilika Sankt Lorenz in Kempten. Die kleinste misst gerade einmal vier Millimeter, die größte ist eine beeindruckende fünf Meter hohe Metallröhre. Einen edlen und erhabenen Eindruck macht die Orgel auf die Besucher. Die Orgelanlage gehört zu den größten in Bayerisch-Schwaben.

Benedikt Bonelli (44) ist seit sechs Jahren festangestellter Organist in der Basilika. Er kennt nicht nur die reich verzierte Front der Orgelpfeifen, wie sie jeder Besucher sieht, sondern auch das Innenleben des Instruments. Die Orgel ist sehr alt. Der Kernbestand ist von 1865, erzählt der Organist. Im Jahr 1939 wurde die Orgel umgebaut und erweitert. Somit spielt er auf einem Instrument, das über 70 Jahre alt ist.

Für den Organisten gehört dieses riesige Instrument zu seinem Arbeitsalltag. Natürlich sind der Respekt und die Faszination immer noch da, aber die Ehrfurcht vor der Orgel verliert sich zugunsten pragmatischer Routine. Wenn ihm klanglich etwas Positives auffällt, versucht er es hervorzuheben, dann zieht er die entsprechenden Register. Wenn etwas negativ auffällt, kaschiert er es. Unpassende Töne von kaputten Pfeifen beispielsweise stellt er stumm, indem er die Pfeife einfach zustopft.

Die Orgel der Basilika ist sanierungsbedürftig. Das merkt man daran, dass momentan bereits relativ viele Pfeifen zugestopft sind. Ursache für den nicht optimalen Klang ist benutzungsbedingter Verschleiß. Die Filzdichtungen der Lederbälge, die die Pfeifen mit Wind versorgen, sind porös. Holzelemente sind schimmlig. Die Elektrik ist veraltet. Die Pfeifen klingen teilweise falsch und schrill. Klanglich werden die Pfeifen von 1939 von den etwas größer dimensionierten Pfeifen von 1865 geschluckt. Das heißt, es fällt manchmal nicht auf, ob ich ein Register von 1939 dazu ziehe, also Pfeifen mitspiele von 1939, oder nicht, sagt Bonelli.

Die Lösung für dieses Problem wäre eine grundlegende Sanierung der insgesamt drei Orgeln. Dieses große Projekt braucht viel Unterstützung. Deshalb hat sich der Orgelbauverein Sankt Lorenz gegründet. Es ist nämlich so, dass weder vom Land Bayern noch von der Diözese Augsburg für Orgelbauten und -umbauten Gelder vorgesehen sind. Das ist reine Sache der Pfarrei, weil man sagt, die Orgel ist ein liturgischer Gegenstand und damit eben Aufgabe der Pfarrei. Das heißt, es gibt keine Gelder von außen, sagt der Organist.

Insgesamt kostet die Sanierung der Orgel 1,1 Millionen Euro. Neben der Hauptorgel sind auch die zwei Chororgeln ein Sanierungsfall. 2017 sollen die Arbeiten beginnen. Bis dahin hofft der Kirchenmusiker, mithilfe des Orgelbauvereins genug Spenden zu sammeln. Die Sanierung ist für Bonelli eine wichtige Angelegenheit. Er möchte mit eigenen Konzertreihen, als Leiter der Chöre von Sankt Lorenz, das Kulturleben der Stadt weiterhin bereichern. Damit die Orgel auch in Zukunft so gut klingt, wie sie auf den ersten Blick für den Laien aussieht, aber auch weil wir Verantwortung gegenüber späteren Generationen haben, sagt der Kirchenmusiker.

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