Ermittlung
Schießerei im Zug von München nach Kempten - Stand der Ermittlungen

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Rund 70 Zeugen hat die Polizei bislang befragt - eines der wichtigsten Puzzlestücke zur Aufklärung des spektakulären Schusswechsels im voll besetzten Regionalzug München-Kempten aber fehlt noch immer.

Denn einer der beiden mutmaßlichen Täter aus Augsburg, ein 44-Jähriger mit kasachischen Wurzeln, ist auch drei Wochen nach der Tat nicht ansprechbar. Er war wie berichtet am 21. März auf der Flucht vor der Polizei aus dem fahrenden Alex gesprungen und hatte dabei schwerste Verletzungen an Kopf und Rumpf erlitten.

Sein Komplize, ein zur Fahndung ausgeschriebener 20-jähriger Russe, war bei dem waghalsigen Sprung bei Tempo 100 ums Leben gekommen. Bei der vorausgegangenen Schießerei waren zwei Polizeibeamte schwer verletzt worden. Einer hat den Vorfall vermutlich nur dank seiner kugelsicheren Weste überlebt.

Vergewaltigung und Menschenraub

Weshalb die beiden Täter so aggressiv reagiert haben, ist weiterhin unklar - ebenso wie das genaue Fahrtziel des kriminellen Duos, das ohne Gepäck, aber mit großkalibrigen Waffen-Imitaten im Zug saß. Sicher ist dagegen: Auf das Konto der beiden geht eine Vielzahl von Straftaten bis hin zur gemeinschaftlichen Vergewaltigung und erpresserischem Menschenraub. Der getötete 20-Jährige sollte eine Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verbüßen. "Wer in diesem Alter so eine Strafe aufgebrummt bekommt, ist hochgradig kriminell", heißt es in Ermittlerkreisen.

"Bis zur Vernehmung des überlebenden Tatverdächtigen dürften noch mehrere Wochen vergehen", vermutet Gunther Schatz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kempten. Der Mann, der in einer Münchner Klinik wochenlang im Koma lag, sei nach wie vor nicht ansprechbar. Allerdings gebe er inzwischen erste aktive Lebenszeichen von sich.

Der tatverdächtige 44-Jährige und sein 20-jähriger Komplize hatten bei einer Personenkontrolle durch zwei Bundespolizisten plötzlich täuschend echte Schreckschusspistolen gezückt. Wenige Sekunden später schlugen sie einem der Beamten mehrfach mit der Waffe auf den Kopf und entrissen dem 57-Jährigen die Dienstpistole. Mit dieser feuerte der 44-Jährige auf den zweiten Bundespolizisten - nach Einschätzung der Ermittler in voller Tötungsabsicht. Ein Projektil durchschlug den Oberschenkel des Beamten, ein weiteres traf die Schutzweste im Bereich der Leber. Zuvor soll der Schütze laut Augenzeugen gebrüllt haben: "Ich bring’ dich um!"

Die ermittelnden Behörden drängen nun auf rasche Fortschritte. "Es muss etwas vorwärtsgehen", betont Gunther Schatz von der Kemptener Staatsanwaltschaft. Besondere Bedeutung komme dabei einem Gutachten zur Abfolge der einzelnen Schüsse zu. Und natürlich spielten neben der mit Spannung erwarteten Aussage des überlebenden Tatverdächtigen auch die Schilderungen der Zuginsassen eine große Rolle.

Schließlich zog sich die Schießerei im Alex über mehrere Waggons hinweg, ehe die beiden Männer auf der Flucht vor der Polizei nahe Wildpoldsried (Oberallgäu) aus dem Zug sprangen. "Wir versuchen, möglichst viele Fahrgäste zu befragen", erklärt Schatz. Kein leichtes Unterfangen bei rund 400 Zuginsassen.

Die verletzten Bundespolizisten werden in nächster Zeit nicht in den Dienst zurückkehren, glaubt Klaus Papenfuß, Sprecher der Bundespolizeidirektion München. Der 44-jährige Beamte war nach dem Oberschenkel-Durchschuss längere Zeit im Krankenhaus behandelt worden. Sein 57-jähriger Kollege, der Platzwunden am Kopf erlitten hatte, konnte ambulant versorgt werden. Beide werden weiterhin ärztlich und psychologisch betreut.

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