Schatz aus dem 18. Jahrhundert

Irsee | fro | Am 21. Juni 1632 überfielen während des 30-jährigen Krieges Schweden das Kloster Irsee. Sie erschossen den Koch und erpressten 100 Reichstaler. Der Abt ließ daraufhin den Klosterschatz im Wert von über 100 000 Gulden nach Kreuzlingen auslagern - wo ihn 1633 schließlich doch die Schweden raubten. Bestandteil des Schatzes waren auch Rosenkranzfahnen. Sie wurden etwa 1725 noch einmal erstellt und lagern noch heute zum Teil in der Irseer Klosterkirche.

Die Fahnen wurden früher bei Rosenkranzgebeten oder Prozessionen an Stangen getragen. 1652 gründete sich in Irsee eine Rosenkranzbruderschaft, die möglicherweise neue Fahnen für die geraubten anfertigen ließ. Aber diese verbrannten in den Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges ab 1701. Doch die Bruderschaft sorgte erneut für Ersatz: Anlässlich der Translation (Überführung von Reliquien) von zwei Heiligen in das Kloster Irsee war die Bruderschaft 'mit drei mal fünf Labara (Standarten) vertreten' gewesen. Darauf waren die je fünf freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse des Rosenkranzes dargestellt. Diese Fahnenserie entdeckte der ehemalige Kirchenpfleger Willi Müller vor einiger Zeit in der Klosterkirche: 'Sie waren zwar nie weg, aber sind schon lange nicht mehr im Gebrauch.'

Auf der Vorderseite sind die Rosenkranzgeheimnisse abgebildet und auf den Rückseiten ist das jeweilige Geheimnis schriftlich sowie dessen Ziffer wiedergegeben. Mutmaßlich wurden die Fahnen etwa 1725 hergestellt, meint Heide Tröger. Sie verfasste 2004 eine Diplomarbeit über 'Bemalte Prozessionsfahnen des 18. Jahrhunderts'. Sie stammen damit aus der Zeit des Klostermalers Magnus Remy, der an die Decke der Irseer Klosterkirche einen Rosenkranz-Zyklus gemalt hatte. 'Denkbar ist der Gebrauch der gleichen Kupferstichvorlagen oder eine Übernahme der Typen der Fahnen. Naheliegend ist auch die gleiche Künstlerhand oder die eines Schülers', schreibt Tröger. Außer für Irsee erwähnt sie im Allgäuer Raum nur noch Fahnen in Ottobeuren und Türkheim.

Wie lange die Fahnen im Gebrauch waren oder die Bruderschaft existierte, ist unbekannt. Der heutige Kirchenpfleger Georg Winkler vermutet, dass die Rosenkranzbruderschaft 'eingeschlafen' ist.

Schlechter Zustand erfordert Restaurierung

Von den ursprünglich 15 Fahnen sind nur noch 13 vorhanden: Aus dem freudenreichen Rosenkranz fehlt die Nummer fünf (Auffindung Christi) und aus dem glorreichen die Nummer drei (Pfingstereignis). Der Zustand der Fahnen sei teilweise schlecht. 'Sie haben Risse und müssen restauriert werden', sagt Winkler. Noch bestehen keine Pläne, doch sollte es zur Restaurierung kommen, kann sich Pfarrer Johann Wagner auch wieder einen liturgischen Gebrauch vorstellen: 'Etwa im Oktober. Das ist die Rosenkranzzeit.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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