Sanierung gleicht Krimi

Marktoberdorf | af | Manchmal sind es Zufälle, die Interessantes ans Licht bringen. So gesehen muss bei der Restaurierung von St. Martin das Herz jedes Kunstexperten mit einem Hang zur Kriminalistik höher schlagen. Obwohl eigentlich alles akribisch genau erfasst ist, ergab sich in diesen Tagen wieder Neues.

Der Balkon auf der Südseite des Altars zum Beispiel. Unter abgeplatzten Farbschichten präsentierte der sich auf der Innenseite in blau. 'Ein fürstliches Blau', wie Architekt Christian Eger betont. Der Grund sei wohl darin zu suchen, dass Kurfürst Clemens Wenzeslaus von dort aus die Messen verfolgte. In historischen Unterlagen sei dokumentiert, dass es eine Brücke vom Schloss zur Pfarrkirche gegeben hat. Der Balkon auf der Nordseite weist solche Bemalung nicht auf. In Zukunft bleibt das Blau als kleines Fenster erhalten, damit die Interessierten bei Kirchenführungen erleben, wie es einmal ausgesehen hat.

Aus dem 15. Jahrhundert?

Aber das ist nicht das Einzige, was weitere Recherchen nötig macht. Denn auch im Eingangsbereich zur Kirche, auch Vorzeichen genannt, brach bei Malerarbeiten etwas Farbe aus der Hohlkehle. Der mit der Sanierung beauftragte Experte untersuchte die Stelle weiter - und fand darunter Zeichnungen. Eine Vase zum Beispiel und Blumenmuster. Nur: Aus welcher Zeit stammen sie? 'Die Mitte des 19. Jahrhunderts kommt ebenso in Frage wie eventuell das 15. Jahrhundert', rätselt Eger. Dass die Malerei unter anderem von der Farbigkeit her nicht zu Bekanntem aus jener Zeit passt, spreche wiederum für das jüngere Datum. Sie erinnert eher an die Frühzeit des Jugendstils. 'Da gibt es noch einiges zu diskutieren.'

Diskutiert wurde auch in dieser Woche, als Fachleute des Landesamts für Denkmalpflege die Baustelle wieder einmal inspizierten und mit den Beteiligten das weitere Vorgehen besprachen. So wird nun auch von den Altären die gelbliche Firniss entfernt, damit der Steincharakter der Bemalung besser zur Geltung kommt. 'Das kostet dann allerdings wieder 30 000 Euro mehr', rechnet Eger weiter.

Inzwischen ist auch die Entscheidung über die Beleuchtung gefallen. Sechs eher zierliche Pendelleuchten auf jeder Seite des Kirchenschiffs sollen für Helligkeit sorgen. Ihre Hängeposition wurde mittels Lasertechnik bestimmt, weil die freie Sicht nach oben noch durch das Gerüst versperrt ist.

Hoch droben lässt die Raumschale trotz des diffusen Lichts ihre Pracht erkennen. Davon machten sich gestern schon etliche Besucher ein Bild, die die Möglichkeit zur Kirchenführung nutzten. Denn ab kommenden Montag, 11. Februar, ist das Gotteshaus für rund einen Monat geschlossen. Dann werden große Teile des Gerüstes abgebaut und die Restaurierung des Steinbodens weiter betrieben.

Höchstes Waschbecken der Stadt

Im Altarraum und der Apsis bleibt das Gerüst vorerst. Nach Ostern beginnt dann der Ausbau der alten Heizung. Nur das höchste Waschbecken Marktoberdorfs wird noch nicht demontiert. Es befindet sich im Bereich der Apsis rund 16 Meter über dem Grund und dient Kirchenmalern und Stuckateuren unter anderem dazu, ihr Arbeitsgerät zu reinigen, ohne das Wasser in Kübeln mühsam transportieren zu müssen.

Die Führungen sind noch am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag jeweils um 16 Uhr. Für die Sanierung ist bei der VR-Bank Kaufbeuren Ostallgäu (Bankleitzahl 734 600 46) unter 50 006 412 041 ein Spendenkonto eingerichtet.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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