Abgetaucht
Salafist Erhan A. angeblich in der Türkei verschwunden

Sein Facebook-Profil ist seit Tagen verschwunden, per Handy ist er nicht mehr zu erreichen: Der im vergangenen Oktober in die Türkei abgeschobene Kemptener Islamist Erhan A. ist offenbar abgetaucht.

Seine Familie kenne den Aufenthaltsort nicht, sagt auf Nachfrage Anwalt Michael Murat Sertzös. Er hatte den Kemptener vor dem Verwaltungsgericht vertreten, die Klage gegen die Abschiebung war im April gescheitert. Die bange Vermutung: Hat sich der 22-Jährige nun doch ins syrische Kriegsgebiet abgesetzt? Bei einem ersten Ausreiseversuch Ende 2013 waren ihm seine Eltern in die Türkei nachgereist und hatten ihn zur Rückkehr bewegt.

Wo ist Erhan A.? Auch bei den Sicherheitsbehörden gibt es bislang nur Vermutungen. Der Anwalt des Allgäuers berichtet, dass das Handysignal des 22-Jährigen kürzlich im syrisch-türkischen Grenzgebiet geortet worden sei. Wo genau? Offenbar unklar. Während unserer Recherchen haben wir letztmalig am 20. Mai Kontakt zu Erhan A. aufnehmen können, eine Nachricht am 24. Mai ist nicht angekommen.

Kritiker hatten stets befürchtet, dass der 22-Jährige ins benachbarte Kriegsgebiet ausreisen werde – er ist mit Kämpfern verschiedener Terrorgruppen und Milizen befreundet. Oder macht Erhan A. einfach nur Urlaub? Sein Anwalt hat dazu keine Hinweise, es gebe keine Nachrichten, keine Fotos, auch keine Information, wohin er aufgebrochen sei. Seit seiner Abschiebung hatte er bei seinem Onkel in einem Dorf nahe der anatolischen Millionenstadt Kayseri gelebt und dort auch gearbeitet.

Freundschaft mit David G.

Die Radikalisierung des Kempteners mit türkischem Pass hat eine mehr als zweijährige Vorgeschichte. Klassenkameraden berichten, dass sich Erhan A. bereits während des Abiturs mit dem radikalen Islam beschäftigt habe. Später freundete er sich mit David G. an, der 2013 als Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat nach Syrien reiste und im Januar 2014 nahe Aleppo starb.

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