Sagenhaftes und andere Geschichten aus Untrasried

Untrasried | ram | In seiner jüngsten Sitzung gab der Untrasrieder Gemeinderat sein Einverständnis für eine eigene Ortschronik, die 2008 herausgegeben werden soll. Archivar Winfried Schreiber befasste sich seit mehreren Jahren mit dem Sichten der Unterlagen sowie der Gliederung und Erstellung eines Entwurfs. Rund 3000 Stunden Freizeit investierte der begeisterte Hobbyforscher in das Projekt. Damit es eine 'lebendige Rückschau' wird, fotografierte Lisa Pfohl viele interessante Objekte.

Schreiber sprach mit Bürgern und Autoren, die ihm mit Informationen hilfreich zur Seite standen. So erfuhr er von der Sage vom verhexten Wirtshaus in Eschers, in dem es vor langer Zeit nachts bis zum Morgenläuten wild zuging. Sah aber jemand neugierig durchs Fenster, so war die Stube leer - der Lärm jedoch ging weiter, als ob das ganze Haus voller Teufel wäre. Als realen Hintergrund der Sage sieht Schreiber eine mittelalterliche, öffentliche Badestube, die einst von Männlein und Weiblein gleichzeitig besucht werden konnte.

Der Ortsname Maneberg entstand wohl aus 'Berg des Adalman', von dessen fünf Gütern vier zur Burg Liebenthann bei Obergünzburg gehörten, eines zum Fürststift Kempten. 1447 verkaufte Liebenthann seine Güter ans Kloster Kempten. Nach dem 30-jährigen Krieg sind 1648 nur noch drei Häuser 'gar übel zerschlagen' mit jeweils nur einer Kuh aufgelistet. Für Maneberg ist ein 'springender Bronnen' am Ortseingang überliefert, dessen Wasser für alle Bewohner, das Vieh und das Bewässern von Wiesen ausreichte.

Ärger mit Pfarrers Schafen

Zu den ausgestorbenen Berufen zählen der Essigmacher, Drechsler, Sattler, Schneider und Wagner. Früher gab es viele Weber-Familien und Näherinnen, die nicht mit Reichtum gesegnet waren. Auch Hutmacherin, Lumpensammlerin, Strumpfwirker und Schuhmacher gehören lange der Vergangenheit an. In Waizenried gab es einen Orgelbauer und den Regenschirmmacher. Mitte des 19. Jahrhunderts hielt der Pfarrer eine Schafherde. Die Hirten ließen die Tiere öfter auf fremder Weide grasen, so dass die Schäferei wegen Ärger mit den Bauern 1878 eingestellt wurde.

In der Gemarkung Untrasried gab es früher 46 Wasserversorgungen, zumeist waren dies hauseigene Brunnen. Hochgelegene Weiler mussten ihr Wasser vom Tal mit so genannten Widdern in die Höhe pumpen. In Abständen wurden Entlüftungspfropfen eingebaut. Wenn kein Wasser sprudelte, wurden diese Pfropfen, 'Luagene' (von lugen) genannt, überprüft, ob dort noch Wasser floss. Eine Leckstelle hätte sich dann unterhalb der 'Luagene' befunden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verloren sich die Bezeichnungen Unter- und Oberdorf in Untrasried. Das obere Dorf war der landschaftlich engere Teil des Tales im Osten, der aufgeweitete westliche Teil wurde Unterdorf genannt. Ältere Bewohner erinnern sich, dass die Oberdörfler ihr Bier beim 'Oberen Wirt' holen mussten, die Unterdörfler hatten es dagegen beim 'Unteren Wirt' zu kaufen. Lange bestanden auch eine obere und eine untere Käserei im Dorf, deren Milch von den oberen beziehungsweise von den unteren Bauern angeliefert wurde.

Die Untrasrieder Chronik soll voraussichtlich im Frühjahr 2008 erscheinen.

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