Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Gericht
Säureanschlag auf Ehefrau geplant: Oberallgäuer (70) suchte per Anzeige einen Attentäter

Als er sich an seiner Ehefrau rächen will, sucht der 70-Jährige einen 'starken Mann' per Kleinanzeige, er verspricht 5.000 Euro und stellt eine Bierflasche voll Säure in den Keller. Doch der Mann, der sich auf die Internetannonce meldet, wird kein Säureattentat in seinem Auftrag begehen - er alarmiert stattdessen die Polizei.

Das Landgericht Kempten hat nun die Unterbringung des 70-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Der Oberallgäuer, der seine Frau und seinen Sohn angegriffen und bedroht hatte, sei eine Gefahr für die Allgemeinheit.

Ein Gutachter zeichnet das Bild eines psychisch schwer kranken, depressiven Mannes. Der 70-Jährige sei nicht in der Lage, seine Impulse zu kontrollieren, seine Merkfähigkeit sei gestört und er sei abhängig von den Psychopharmaka, die er wegen seiner Angstzustände bekomme. Der Mann wittere überall eine Verschwörung.

Tränen fließen

Während der Verhandlung wegen Anstiftung zur schweren Körperverletzung und Bedrohung kann sich der Rentner nur schwer konzentrieren, er spricht umständlich und kommt auf Nachfrage der Richter kaum auf den Punkt. Am Ende bricht er in Tränen aus - seiner Frau hatte er nur Stunden zuvor schwere Vorwürfe gemacht, ihr Affären unterstellt. Doch nicht nur sie sagt gegen ihn aus, auch sein eigener Sohn. 'Habe ich euch jemals bedroht?', fragt der 70-Jährige. 'Ja', sagt sein Sohn. 'Habe ich gesagt, ich bringe euch um?', fragt er. 'Ja', lautet wieder die Antwort.

Er sei geschockt gewesen, berichtet der Mann, der sich auf die Kleinanzeige des Oberallgäuers gemeldet hatte, die unter der Rubrik 'Umzug und Transport' erschien. Bereits nach dem ersten Telefonat sei klar gewesen, dass sich die versprochenen 5.000 Euro für '15 Minuten Arbeit' auf einen Anschlag bezogen, angeblich auf eine 'Nachbarin'. Ihr müsse man einen Denkzettel erteilen.

'Er hat mir gesagt, wo sie wohnt, wann sie aus dem Haus geht und wohin mittags', sagt der Reifenmonteur. 'Ich sollte ihr Säure über den Kopf und in die Augen schütten.' Schon kleinste Spritzer der hoch konzentrierten Säure lösen schwere Verätzungen aus, hat später die Analyse des Landkriminalamts ergeben. Die Polizei fand die Substanz im Keller des 70-Jährigen.

Einige Zeit zuvor hatte der Rentner seine Frau schon einmal angegriffen, ihr eine Glasflasche von hinten auf den Kopf geschlagen, bis sie eine schwere Schädelverletzung erlitt. Später zahlte er ihr 20.000 Euro. Vor Gericht bedrängt er sie nochmals, bis der Vorsitzende Richter laut wird: 'Ich lasse Sie rauswerfen.'

Nicht nur diese eine Kleinanzeige hat der 70-Jährige aufgegeben. In weiteren Annoncen suchte er beispielsweise eine Zugehfrau und Waffen. Nur 'um zu sehen, wer sich meldet und aus Langeweile'. Nun bleibt er in einem psychiatrischen Krankenhaus. Seine Anwältin hatte sich dagegen ausgesprochen.

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