München
Ryanair fliegt Bremen und Stockholm an

Es ist ein gewohnt lässiger Auftritt, den Michael OLeary an diesem Tag hinlegt. Das Hinterzimmer des Münchener Hotels betritt der Chef von Europas größter Billigfluglinie mit einem «hi guys», in Jeans und Turnschuhen. So offen wie sein aufgeknöpftes Hemd gibt er sich auch den versammelten Journalisten gegenüber. «Sie können mich alles fragen - später.» Zuerst jedoch redet er: Schnell, mit Witz und harten Fakten.

Zwei neue Verbindungen wird es ab Oktober vom Allgäu Airport Memmingen aus geben (siehe Wirtschaft). Ryanair fliegt dann sechs mal pro Woche nach Bremen und vier Mal nach Stockholm. Damit baut die Fluggesellschaft bereits nach 100 Tagen ihr Angebot von zunächst sieben auf neun Strecken aus. Und das soll noch lange nicht das Ende sein. «Wenn wir in Bayern wachsen, wird das in Memmingen sein», sagt OLeary. «Das ist ein sehr guter Flughafen für uns.» Ryanair will mit seinem Standort «München West» vor allem dem Münchner Flughafen Passagiere abjagen.

Eine Taktik, die offenbar aufzugehen scheint.

Während viele deutsche Flughäfen über sinkende Passagierzahlen klagen, verzeichnete der Allgäu Airport im ersten Halbjahr ein Wachstum von 26 Prozent: Über 270000 Passagiere nutzten die nationalen und internationalen Verbindungen. Für das Jahr 2009 rechnet der Regionalflughafen mit über 650000 Passagieren. Und nicht nur Ryanair, sondern auch Tuifly meldet laut Allgäu Airport eine gute Auslastung der Maschinen, die heuer erstmals auch Tel Aviv (Israel), Calvi (Korsika) und Rijeka (Kroatien) anflogen. Bereits im August soll mit der Wizz Air das Angebot in Richtung Osten erweitert werden. Die größte Billigfluggesellschaft Osteuropas fliegt dann unter anderem nach Kattowitz (Polen).

Ryanair-Chef OLeary ficht derartige Konkurrenz nicht an. Im Gegenteil. «Es ist besser für den Standort Memmingen, wenn hier mehrere Airlines Flüge anbieten.» Laut OLeary verspricht in der derzeitigen Finanzkrise nur ein Rezept Erfolg: «Wer die niedrigsten Kosten hat, der gewinnt.» Geld für die Toilettenbenutzung im Flugzeug zu verlangen oder in Zukunft Stehplätze anzubieten - das waren Vorschläge OLearys, die jüngst aufhorchen ließen. Es bleiben wohl keine Gedankenspiele. «Warum sollen wir das nicht machen?», sagt der Ire auf Nachfrage. Bei einer Umfrage hätten 82 Prozent der Ryanair-Kunden angeben, im Flieger Stehen zu wollen, wenn der Flug dafür günstig sei.

Im Sitzen

Dass OLeary im Sitzen zur Pressekonferenz in die bayerische Landeshauptstadt anreiste, ist verbürgt. Allerdings mit einer anderen Fluglinie: Auf dem Hinflug nach Deutschland landete er mit Aer Lingus auf dem Münchener Franz Josef Strauß Flughafen. Erst zurück gings mit der eigenen Fluglinie von Memmingen - beziehungsweise München West. Ob ihm die 120 Kilometer zu weit waren? Das wollte er dann doch nicht beantworten. Alles hat seine Grenzen.

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